Materialforschung: das weißeste Weiß

Kein Waschmittel, sondern ein kleiner Käfer setzt international Maßstäbe bei der hellsten aller Farben

Ausgerechnet seine Schuppen verschaffen Cyphochilus einen besonders strahlenden Auftritt. Die flachen Schichten sind nur ein Zehntel so dick wie ein Menschenhaar und haben eine äußerst ungeordnete innere Struktur; dadurch streuen sie alle Wellenlängen des sichtbaren Lichts gleichzeitig - der Käfer erscheint weiß. So weiß sogar, dass die Insektenhülle des Maikäfer-Verwandten alle anderen Materialien in den Schatten stellt. Leuchtkraft und Weißheit des Krabblers erreichen nach internationalen Standards einen höheren Wert als Milch, die Zähne eines Säuglings oder das weißeste Blatt Papier. Selbst die Tiere der Polarregion - wie Eisbären oder Schneehasen - halten im Weißheitswettbewerb nicht mit: Ihre Haare sind zu dick, um das Licht so ungeordnet streuen zu können, wie es die Käferschuppen tun.

Auffällig ist auch das Insekt nur außerhalb seiner natürlichen Umgebung: Auf den weißen Pilzen in Südostasien, auf denen er lebt, ist der etwa 1,5 Zentimeter große Käfer gut getarnt. Der "Entdecker" Peter Vukusic von der Universität Exeter arbeitet mit einem Chemieunternehmen zusammen, um das Käferweiß auch wirtschaftlich nutzen zu können - etwa bei der Herstellung ultradünner Reflektorschichten auf Leuchtdioden.

e2efd8dfa4107c0953c150691d408426
GEO Nr. 05/97
GEO.de Newsletter