GEOkompakt: Delikatesse als Computergrafik

Eine ungewöhnliche Spesenrechnung erhielt die GEOkompakt-Honorarbuchhaltung von dem Illustrator Tim Wehrmann: 27,80 Euro für einen gekochten Hummer, ausgestellt von einem Feinschmecker-Restaurant in der Nähe des Hamburger Fischmarkts

Wehrmann ließ sich das Krustentier allerdings nicht auf einem Teller als Delikatesse servieren, sondern nahm es mit in sein Büro. Denn für einen Beitrag über Krebse im GEOkompakt-Heft Nr. 10 "Lebensraum Meer" sollte er den komplex gebauten Panzer eines Hummer darstellen - mit allen Details und so exakt wie möglich.

Entsprechend dem natürlichen Vorbild konstruierte der Grafiker zunächst mithilfe eines 3-D-Programmes ein räumliches Modell: Jedes bewegliche Teil des Hummers - ob ein Element des Beines, den Kopf, die Glieder des Schwanzes oder die Teile der Scheren - entwarf er zunächst als Quader, den er dann in vielen, komplizierten Schritten immer mehr verfeinerte, bis er die genaue Form des Körperteils hatte. Verbunden wurden die verschiedenen Einzelteile über Gelenke, die die Software ebenfalls simulieren kann.

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So entstand ein Krebsmodell, das sich räumlich drehen und dessen Gliedmaßen sich in jede beliebige Position bringen ließen. Als letztes, und um dem Ganzen die Anmutung einer technischen Zeichnung zu geben, wandelte der Grafiker das 3-D-Bild in eine zweidimensionale Darstellung um, in die er mit einem berührungssensitiven Stift am Bildschirm jene Strichelungen und Schraffuren eintrug, die der Grafik ihre skizzenhafte Leichtigkeit geben.

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Jedes Detail wird überprüft

GEOkompakt wäre allerdings nicht GEOkompakt, wenn die Genauigkeit der Zeichnung nicht von der Abteilung "Verifikation" überprüft worden wäre. Mit dieser Aufgabe befassten sich die Dokumentarin Friederike Eggers und die Meeresbiologin Dr. Valeria Bers - die wissenschaftliche Beraterin des Heftes. Und tatsächlich fanden sie Unstimmigkeiten: Die Augen des Tiers etwa schienen zu groß zu sein, die Zahl der Zacken am vorderen Kopfende stimmten nicht mit dem überein, was die Damen erwarteten, denen Bücher und die abgestoßene Hülle eines Helgoländer Hummers zur Verfügung standen.

Tim Wehrmann wurde gebeten, seinen Krebs in die GEO-Redaktion zu tragen, um Zeichnung und Vorbild vergleichen zu können. Dort löste sich das Rätsel schließlich auf: Der Grafiker hatte in dem Lokal einen amerikanischen Hummer erworben, der von europäischen Art (Homarus gammarus) in einigen Details abweicht. Die Zeichnung indes war korrekt - und stellt nun im Heft die Spezies Homarus americanus vor.

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Die fertige Doppelseite in GEOkompakt Nr. 10

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