Verhalten: Die Angst forscht mit

In bestimmten Buchten der südafrikanischen Südküste versammeln sich Weiße Haie in großer Zahl

Manchmal nähern sich die Riesenfische dem Land bis in hüfttiefes Wasser - drei bis fünf pro Meile. Jagdbeute gibt es dort kaum für sie. Suchen sie Ruhe-, Paarungs- oder Geburtsplätze? Die Meeresbiologen Thomas Peschak und Michael Scholl von der Universität Kapstadt wollen es genauer wissen. Ein Problem bei bisherigen Untersuchungen: Die Tiere spüren das elektromagnetische Feld und die Vibrationen der eingesetzten Motorboote und fühlen sich dadurch angezogen; ihr Verhalten ist vom Menschen beeinflusst. Um diese Fehlerquelle zu umgehen, wagten Scholl und Peschak den Versuch, in Kajaks umzusteigen: Ausgewachsene Weiße Haie sind mit sechs oder mehr Meter Rumpflänge wesentlich schwerer als die Plastikboote und imstande, diese umzuwerfen. "Ich kam mir unglaublich verletzlich vor", erzählt Peschak vom ersten Versuch im Jahr 2004.

Dann fand er heraus: Bei ruckartigen Paddelschlägen kommen die Tiere angeschwommen und umrunden das Boot mitunter. Paddelt man dagegen leise und gleichmäßig, ignorieren sie es weitgehend. So ist es möglich, den entspannt schwimmenden Fischen über weite Strecken zu folgen, ohne sie zu beeinflussen. Auffällig bisher: Die Haie pflegen untereinander intensive Kontakte. Wenn sich zwei begegnen, umrunden sie einander in immer enger werdenden Kreisen. Um dann große Strecken gemeinsam zu schwimmen. Über die "Boots-Besichtigung" hinaus planen die Forscher die Haie auch aus der Luft zu betrachten - per Kamera an einem Gasballon. So lässt sich deren Verhalten über lange Zeit verfolgen.

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