Verhalten: Wölfe als Verhütungsmittel

Die Anwesenheit von Canis lupus hat erhebliche Auswirkungen auf den Hormonhaushalt von Hirschkühen

1995 und 1996 wurden in einem Teil des Yellowstone-Nationalparks Wölfe ausgewildert. Schon bald darauf begann die Zahl der Wapitihirsche zu sinken – und zwar allem Anschein nach weit stärker, als es allein durch den Beutefang der Raubtiere zu erklären war.

Der Ökologe Scott Creel und seine Kollegen von der Montana State University sind dem Rätsel nachgegangen. Ergebnis: Die Furcht vor Wölfen senkt bei den Hirschkühen den Spiegel des Sexualhormons Progesteron erheblich – mit Konsequenzen für die Geburtenzahl. Gemessen an einer üblichen jährlichen Reproduktionsrate von 30 Kälbern auf 100 Mütter, fiel die Quote auf bis zu acht Nachkommen pro 100 Kühe. Je mehr Wölfe in einem Gebiet lebten, desto geringere Mengen Progesteron fanden sich in den Kotproben der Hirschkühe. Die Biologen führen diesen Zusammenhang auf das so genannte antiprädatorische Verhalten zurück. Verstärkte Wachsamkeit und die Suche nach sichereren Winterquartieren kosten Energie – die sonst in die Fortpflanzung investiert würde. Die Folge: Die Kühe sind seltener trächtig.

GEO.de Newsletter