Naturschutz: Wegenetz für Katzenpfoten

Die letzten Lebensräume der Europäischen Wildkatze sollen durch grüne Wanderkorridore verbunden werden

Weniger als 20 Kilometer trennen den Nationalpark Hainich vom Thüringer Wald. Kein Katzensprung für die im Hainich lebenden Wildkatzen: Wollen sie in das angrenzende Waldgebiet wechseln, müssen sie Ackerland oder gar eine Autobahntrasse überwinden. "Die scheuen Raubtiere setzen keine Pfote auf Agrarlandschaften und halten sich auch sonst lieber vom Menschen fern", sagt Sabine Jantschke, Koordinatorin des Wildkatzenprojektes beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Thüringen.

Zwar bieten "Inseln" wie der Hainich einer bestimmten Anzahl Katzen nahezu optimale Lebensbedingungen. Ihrem Nachwuchs dagegen gehen allmählich die Reviere aus. Folglich pflanzt sich die eingepferchte Restpopulation entweder kaum mehr fort oder paart sich nur noch untereinander. Sie verarmt genetisch, die Zahl der Tiere nimmt stetig ab. Um Felis silvestris silvestris zukünftig das Wandern zwischen isolierten Waldgebieten zu erleichtern, ist geplant, ausgehend vom Nationalpark ein großflächiges Wegesystem mit grünen Korridoren anzulegen. In Thüringen hat der BUND bereits im November 2006 begonnen, einen 50 Meter breiten Grünstreifen aus Hecken und Mischgehölzen zu pflanzen, der vom Südrand des Nationalparks Hainich bis zum Nordrand des Thüringer Waldes reichen soll.

Ob die Katzen den Grünstreifen annehmen, der auch Autobahnen unterqueren wird, soll ein Beobachtungsprogramm zeigen. Zu diesem Zweck werden Holzpflöcke mit Katzenminze und Baldrian bestrichen. Angelockt vom Duft, reiben sich die Raubtiere daran. Anhand der am Holz hängen gebliebenen Haare können die Forscher per DNS-Test ersehen, ob Wildkatzen (und wenn ja: wie viele) den Weg genommen haben. Schätzungsweise 2000 Exemplare leben im Bundesgebiet. Der BUND möchte sein Rettungsnetz aus grünen Korridoren über drei angrenzende Bundesländer spannen. Bis 2009 soll das Projekt in Thüringen, Bayern und Hessen auf den Weg gebracht werden. Dann kann die Wildkatze wandern - vom Harz bis zu Spessart und Steigerwald, vom Hainich bis zum Kellerwald.

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