Ornithologie: Trappen-Übungsplatz

Großtrappen waren vom Aussterben bedroht. Dank eines Schutzprogramms erholt sich der Bestand langsam wieder

Im 18. Jahrhundert schickten deutsche Bauern ihre Kinder los, um Großtrappen von den Feldern zu verscheuchen. Damals machten sich noch Tausende der imposanten Vögel über die Ernte her. Intensiv betriebene Landwirtschaft, Pestizideinsatz und die Zerschneidung der Lebensräume ließen die Zahl der massigen Tiere immer weiter schrumpfen. 1997 gab es nur noch 57 Exemplare, die in der Umgebung von Berlin und Potsdam kleine Rückzugsgebiete gefunden hatten.

Diese extreme Seltenheit machte Otis tarda zum "teuersten Vogel" Deutschlands: Weil die ICE-Strecke Berlin–Hannover genau durch eines der letzten Trappen-Reviere hierzulande verläuft, ließ die Deutsche Bahn 1996 entlang der Trasse Wälle - ähnlich denen zum Lärmschutz - bis auf Höhe der Oberleitungen aufschütten; denn immer wieder werden über Land gespannte Stromkabel eine Falle für Großtrappen, weil sie im Flug schlecht manövrieren können. Die Art zählt zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt; viele Männchen sind über einen Meter lang und wiegen bis zu 18 Kilogramm.

Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg bemühen sich seither intensiv um die Vögel. Sie stellen in traditionellen Brutgebieten der Trappen eingezäunte Flächen bereit, um Raubtiere wie Fuchs und Marderhund fernzuhalten, was den Bruterfolg erhöht. Die nach oben offenen Gehege ermöglichen es den Tieren, nach Belieben ein- und auszufliegen. Ein Teil der ersten Gelege wird eingesammelt, und die Weibchen werden von Brutkästen abgelöst. Die Tiere legen dann bald erneut Eier. "So können wir die Anzahl der Jungen fast verdoppeln", erklärt Torsten Langgemach, der Leiter der Vogelschutzwarte. Um die von Hand aufgezogenen Küken nicht auf den Menschen zu prägen, tragen deren Pfleger grüne Einheitskleidung. Später werden diese Tiere vor allen Personen in anderer Kleidung flüchten. Ein Automat gibt das Futter nach dem Besuch der Pfleger zeitlich verzögert frei, damit die Vögel Nahrung nicht mit Menschen in Verbindung bringen und auf diese Weise ihre natürliche Scheu behalten. Das Brandenburger Schutzprogramm hat den Abwärtstrend beim Bestand der Art gestoppt und sogar zu einem leichten Zuwachs geführt. Jetzt leben wieder 101 Großtrappen in Deutschland, davon 58 bei Buckow im Havelland. Einige Hennen ziehen bereits außerhalb der Schutzgebiete ihre Jungen groß.

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