Aggressive Zecken auf dem Vormarsch

Eine in nördlichen Breiten nahezu unbekannte Zeckenart breitet sich in Deutschland aus: die Auwaldzecke. Damit steigt auch das Risiko, sich mit bisher unerforschten Krankheiten zu infizieren

In Brandenburg, südöstlich von Berlin, sind seit Juli 2006 vier Menschen von Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) gestochen worden - die ersten dokumentierten Fälle in Deutschland. Bisher waren vor allem Hunde, aber auch Nager, Hasen und Wildschweine von Auwaldzecken befallen. Viele der befallenen Hunde erkrankten später an Babesiose, im Volksmund Hundemalaria genannt, da die Symptome an Malaria erinnern.

Neben der für Hunde gefährlichen Babesiose kann die Zecke vor allem das für den Menschen gefährliche Fleckfieber durch so genannte Rickettsien-Bakterien auslösen. "Diese Krankheiten sind in Deutschland bisher unbekannt", sagt Thomas Talaska, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie in Groß Lindow in Brandenburg.

Die Menschen, die von diesen Zecken in Brandenburg gestochen wurden, hatten Glück: keiner infizierte sich. Einer der Betroffenen konnte die Auwaldzecke entfernen, bevor sie Blut saugen konnte. Erst dann können die gefährlichen Krankheitserreger übertragen werden.

Die Auwaldzecke lebte bisher in Norditalien, Österreich und Ungarn sowie in osteuropäischen Ländern, auch in den Vereinigten Staaten. Wie ihr Name sagt, bevorzugt sie feuchte Gebiete wie Auen und Moore. Bereits vor etwa 35 Jahren wurden in Deutschland vereinzelt Auwaldzecken im Raum Leipzig gefunden. Damals ging man davon aus, dass Zugvögel die aus süd- und osteuropäischen Ländern importiert hatten.

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Vielerorts weisen Warnschilder auf die schleichende Gefahr im Wald hin - hier im Landkreis Offenbach

Unübersichtliche Verbreitung

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Auwaldzecken (links ein Weibchen, rechts ein Männchen) haben eine auffällige Zeichnung und sind deutlich größer als der Gemeine Holzbock - und damit leicht zu erkennen

Die Verbreitung der Zecke war in Deutschland bisher unklar. Ende 2004 waren daher Hundehalter und Tierärzte in Deutschland aufgerufen, Zecken dieser Gattung an den Verein Parasitus Ex einzusenden. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die in Deutschland noch eher unbekannten Krankheiten, die Haustiere bedrohen, bekannter zu machen. Bis Dezember 2005 konnten rund 1600 Auwaldzecken auf Krankheitserreger überprüft werden. Die meisten von ihnen kamen aus den Gebieten rund um Berlin, Frankfurt und Magdeburg sowie Leipzig und Tübingen.

Im Gegensatz zur häufigsten Zeckenart in Deutschland, dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) sind die Spinenntiere aggressiv und lauffreudig. Sie warten nicht passiv am Grashalm hängend auf ihr Opfer, sondern gehen im Umkreis von etwa einem Meter auf den potenziellen Wirt los. Sie verhalten sich damit ähnlich wie andere tropische Schildzecken.

Die Auwaldzecke, die dreimal so groß wird wie der Gemeine Holzbock (erwachsene Weibchen werden bis zu 5 Millimeter, vollgesogen bis zu 20 Millimeter groß), erkennt man an dem hellen Rückenschild mit braunen Streifen und Tüpfelungen (Weibchen) oder an einer blaugrauen Zeichnung (Männchen) auf dem Schild. Man nennt sie daher auch Buntzecke.

Informationen zum Thema

Mehr über die Auwaldzecke vom Robert-Koch-Institut (Stand: 2010)
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