Grzimeks Erbe

Fast zwei Millionen große Tiere leben im Nationalpark und in den umliegenden Schutzgebieten. Zum Problem wird der Safari-Tourismus

Wenn Markus Borner, der Projektleiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), mit der Cessna über die Serengeti fliegt, wird er feierlich. „Das ist der Michael-Grzimek-Blick“: unberührte Grasebenen in alle Richtungen, besiedelt von vieltausendköpfigen Herden. Fast zwei Millionen große Tiere haben heute in der Serengeti ihren Platz, darunter 1,3 Millionen Gnus und mehr als 300 000 Zebras – der Nationalpark und die umliegenden Schutzgebiete, in denen Menschen siedeln dürfen, decken die Wanderrouten der Herden fast vollständig ab.

Eine Erfolgsgeschichte; aber Borner und seine Leute haben viel zu tun, um Grzimeks Werk zu erhalten. Vor allem in den sogenannten Pufferzonen prallen Interessen aufeinander: 56 000 Massai-Hirten brauchen Platz für ihre Rinderherden. Ausländer im Jagdfieber sichern sich Abschusslizenzen. Und der Safari-Tourismus mit 140 000 Besuchern im Jahr, von Bernhard Grzimek ins Leben gerufen, wird zum Problem – besonders im schlecht verwalteten Ngorongoro-Krater; dort sind trotz der Eintrittsgebühren von bis zu 150 Dollar pro Auto die Grenzen des ökologisch Vertretbaren erreicht. Die Besucher verbrauchen Wasser, stressen die Tiere und reißen mit ihren Geländewagen die Böden auf.

Was tun? Markus Borner, der abgeklärte Pragmatiker, interpretiert den Verhandlungsstil seines Vorbilds Bernhard Grzimek für unsere Zeit neu. Er schickt „Community Officers“ zu den Massai- Hirten, die bis heute nicht einsehen, weshalb sie mit ihren Rindern nicht zu den satten Weiden in der Serengeti ziehen dürfen. Mit Hilfe der ZGF gründen sie nun Gemeinschaftsbanken und versuchen, außerhalb des Parks, in ihren Runddörfern, naturverträgliche touristische Angebote zu entwickeln. Die Pläne der Tourismusindustrie hingegen, in der Serengeti immer mehr Lodges zu bauen, sieht Borner skeptisch – er argumentiert, dass ein Übergang zum Massentourismus nur kurzfristig höhere Gewinne bringe. „Wir arbeiten im Hintergrund, sprechen die wichtigen Leute an, versorgen sie mit Informationen. So hat es der Alte gemacht. Das funktioniert, auch heute noch.“

Und auch wenn es darum geht, Gelder aufzutreiben, hält sich Borner an Grzimeks Ideen. In den nächsten Jahren will die ZGF 50 Nashörner aus Südafrika in der Serengeti ansiedeln. Das Großprojekt, 5,5 Millionen Dollar teuer, wird komplett von einem Mann finanziert: einem privaten Spender, mit dem sich Markus Borner angefreundet hat, zum Nutzen aller.

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