Fangschreckenkrebse: Totaler Rundblick

Fangschreckenkrebse sehen zirkular polarisiertes Licht - eine einzigartige Gabe

Polarisiertes Licht besteht aus Wellen, die in einer Ebene schwingen. Während das von der Sonne kommende Licht zunächst unpolarisiert ist – in ihm überlagern sich Wellen mit unterschiedlicher Schwingungsrichtung –, entsteht bei der Streuung an Luftmolekülen oder anderen Stoffen in der Atmosphäre ein geordnetes Schwingungsmuster polarisierten Lichtes.

Tiere, die die besondere Fähigkeit besitzen, das Ausrichtungsmuster der Wellen wahrzunehmen, können zum Beispiel selbst bei bedecktem Himmel erkennen, wo die Sonne steht: Je nach Sonnenstand ändert sich das Polarisationsmuster des Lichts in der Atmosphäre. Daran orientieren sich zum Beispiel Bienen. Ein bislang unbekanntes Sehmuster ist nun bei Fangschreckenkrebsen (Odontodaktylus) entdeckt worden. Justin Marshall von der Universität Queensland in Australien hat bei den Tieren die Fähigkeit ausgemacht, zirkular polarisiertes Licht (ZPL) wahrzunehmen. ZPL kann man sich als eine Art Spirale vorstellen. Denn bei ZPL dreht sich in Ausbreitungsrichtung des Lichtes die Polarisationsebene, entweder links oder rechts herum.Schon lange hat Justin Marshall mit seinem Kollegen Thomas Cronin von der Universität Maryland den außergewöhnlich komplexen Sehapparat von Odontodaktylus erforscht, der auch zur Wahrnehmung ultravioletten Lichtes in der Lage ist (siehe GEO 1/2006). Anhand eines neuen Versuchs vermochte Marshall zu zeigen, dass die Tiere unterscheiden können, ob von einer Nahrungsquelle links- oder rechtsdrehendes ZPL ausgesandt wird – die Krebse ließen sich darauf trainieren, Futter nur dort zu suchen, wo entsprechendes Licht auftrat. Auch die männlichen Krebse selbst senden reflektierte ZPL-Signale von ihrem Panzer aus. Wozu diese „Geheimsprache“ der Krebse dient, ist noch unbekannt.

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