Neurologie: Freiheit macht munter

Per Gehirnstrommessung haben Forscher nachgewiesen, dass Faultiere im Regenwald deutlich weniger schlafen als ihre Artgenossen in Gefangenschaft

Spanische Entdecker beschrieben die Geschöpfe im 16. Jahrhundert als hässlich und faul. Ihre Trägheit haben auch moderne Zoologen wiederholt bestätigt: Faultiere bewegen sich im Zeitlupentempo und schlafen in Gefangenschaft 15 Stunden am Tag. Manchmal sogar noch länger, wie zum Beispiel das Faultier „Mats“ im Zoo von Jena. Biologen der Universität wollten an ihm untersuchen, wie Faultiere sich bewegen - doch „Mats“ bewegte sich so gut wie gar nicht.

Ein internationales Forscherteam entdeckte im Regenwald Panamas nun, dass die Tiere in freier Wildbahn weit weniger faul sind als angenommen. Niels Rattenborg und seine Kollegen vom Max- Planck-Institut für Ornithologie fingen drei Dreizehenfaultiere ein und zogen ihnen Kappen über, an denen Gehirnstromsensoren angebracht waren. Auf diese Weise konnten erstmals die Gehirnströme von schlafenden Tieren im Freiland gemessen werden.

Zusätzlich rüsteten die Forscher die drei Tiere mit Beschleunigungsmessern und Sendern aus. Diese funkten ihre Position an ein automatisches Ortungssystem, das deutsche und amerikanische Wissenschaftler in Panama aufgebaut haben. Das Ergebnis: Faultiere schlafen in der Wildnis im Durchschnitt nur 9,63 Stunden – rund sechs Stunden weniger als ihre Artgenossen im Zoo.

Die Daten zeigen unter anderem, dass die Erforschung von Tieren in Gefangenschaft nur geringe Aussagekraft besitzt. Alle bisherigen Schlafstudien an Faultieren gingen von 15 bis 20 Stunden Ruhezeit aus. Offenbar erfordert das Leben in der Wildnis eine gesteigerte Wachsamkeit, und auch die Futtersuche ringt den Tieren einen erheblichen Zeitaufwand ab. Der faule „Mats“ hingegen konnte wie im Schlaraffenland warten, dass das Futter zu ihm kommt. Den Jenaer Forschern gelang es in drei Jahren nicht, eine einzige verwertbare Videosequenz von ihm in Bewegung aufzuzeichnen.

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