Primatologie: Gesunder Dreck

Forscher sind der Bedeutung des Erde-Essens bei Schimpansen auf die Spur gekommen

Es gibt Tage, da stopfen sich manche Schimpansen im Kibale-Nationalpark in Uganda förmlich voll mit Blättern des Mahagoni-Gewächses Trichilia rubescens - und fressen direkt nach oder kurz vor dem Mahl eine Handvoll Erde. Dieses Mischgericht, so haben französische Forscher jetzt nachgewiesen, hat therapeutische Wirkung: Es tötet den Erreger der Malaria, den Einzeller Plasmodium falciparum.

Erstmals, erklärt Sabrina Krief vom Pariser Muséum National d’Histoire Naturelle, "haben wir damit gezeigt, dass mit der Nahrung aufgenommene Erde die pharmakologische Aktivität einer Pflanze verbessern kann".

Dass Trichilia rubescens gegen Malaria wirken könnte, hatten die Tierärztin und ihre Kollegen bereits vermutet. Unklar war ihnen, was das Erde-Essen, die sogenannte Geophagie, bezweckt.

Für ihre Untersuchungen nahmen die Forscher unter anderem 14 Proben von Plätzen, an denen die Kibale-Schimpansen gewöhnlich Erde fressen, sowie Blätter von Trichilia rubescens. In ihrem Labor in Paris entwarfen sie ein System, das alle Schritte des Verdauungsprozesses - vom Kauen bis hin zur Darm-Verdauung - nachstellt, und analysierten damit die bioaktiven Eigenschaften von Pflanze und Erde, einzeln und als Mischung.

Nach anderthalbstündiger Wirkungszeit zeigten sich eindeutige Unterschiede: Reine Pflanzenextrakte halfen nur schwach gegen den Malariaerreger, während die verdaute Mixtur aus Blättern und Erde Plasmodium falciparum weitaus effektiver bekämpfte. Jede Menge Moleküle aus der Pflanze klebten förmlich an den Erdpartikeln, wie Kriefs Team in chemischen Analysen nachwies.

Dadurch steigt die Bioverfügbarkeit - das heißt, es gelangen mehr gegen Malaria wirkende Moleküle ins Blut. Die Geophagie könnte den Tieren demnach gesundheitliche Vorteile bringen – zumal die von den Schimpansen verwendete Erde "Kaolinit" enthält, das in westlichen Ländern in Medikamenten gegen Diarrhö eingesetzt wird - und womöglich auch den Schimpansen des Kibale-Nationalparks gegen Durchfallerkrankungen hilft.

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