Biologie: Der Zombie-Wächter

Eine parasitäre Wespenart saugt ihren Wirt zunächst aus - und macht ihn dann auch noch zu ihrem Bodyguard

Parasiten beeinflussen das Verhalten ihrer Wirte auf vielfache Art und Weise. Einem besonders raffinierten Fall kam jetzt ein Forscherteam um Arne Janssen von der Universität Amsterdam auf die Spur. Während ihrer Feldstudien in Brasilien konnten die Wissenschaftler erstmals zeigen, dass Parasiten durch manipulatives Verhalten ihre Überlebenschancen verdoppeln können.

Im Blickpunkt der Forscher standen Wespen einer Glyptapanteles-Art, die ihre etwa 80 Eier im Körper der Raupe Thyrinteina leucocerae ablegt. Dort schlüpfen die Wespenlarven und ernähren sich so lange von den Körperflüssigkeiten des Wirtes, bis sie groß genug sind, um sich durch die Haut der völlig ausgelaugten Raupe ins Freie zu fressen und an einem nahe gelegenen Ast oder Blatt zu verpuppen.

Doch damit ist für Thyrinteina leucocerae die Tortur nicht beendet: Denn nun übernimmt die Raupe die Funktion eines "Bodyguards", sodass sich die Puppen ungestört von Fressfeinden entwickeln können. Erst wenn die Wespen aus ihren Kokons geschlüpft sind, beendet die "Untote" ihren Dienst und haucht ihr Leben gänzlich aus.

Im Labor beobachtete Arne Janssen das Drama genauer. Er stellte fest, dass sich das Verhalten der Raupen abrupt ändert, sobald die Larven aus ihnen hervorgekrochen sind: Sie hören auf zu laufen und zu fressen. Im Gegensatz zu Artgenossen, die nicht von den Parasiten befallen wurden, schwingen sie zudem zehnmal häufiger den Kopf, um potenzielle Fressfeinde ihrer Parasiten aus dem Weg zu räumen.

Arne Janssen geht davon aus, dass die atypische Verhaltensweise von den Schmarotzern induziert wird. Es ist bekannt, dass Parasitenlarven in das Hormonsystem ihrer Wirte eingreifen können. Ob die Larven tatsächlich durch Ausschüttung hormonell aktiver Substanzen die "Gehirnwäsche" bei den Raupen auslösen, ist allerdings nicht sicher.

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