Evolution: Blässe bevorzugt

Die Biologin Erica Rosenblum hat erforscht, wie sich bei Echsen die Farbe der Haut der Umgebung anpasst

Über 712 Quadratkilometer erstreckt sich die blendend weiße Landschaft in dem größten Gipsdünenfeld der Welt: dem White Sands National Monument im US-Staat New Mexico.

Entstanden ist der gleißende Gips vor etwa 250 Millionen Jahren durch die Verdunstung eines flachen Meeres. Lange Zeit später wurde er zunächst im Zuge der Gebirgsbildung aufgefaltet, mit dem Regenwasser wieder aus dem Gestein ausgewaschen und schließlich als Gipssand in einem gigantischen Becken, dem heutigen "Tularosa Basin", abgelagert. Dieser Auswaschungsprozess hält bis heute an.

Vor nunmehr 10.000 Jahren änderte sich das Klima; der Salzsee, der sich in dem Becken gebildet hatte, trocknete aus. Die so entstandene Gipslandschaft wird seither von allerlei Landlebewesen aus der Umgebung bevölkert. Weil farbige Reptilien, Nager und Insekten auf dem weißen Untergrund kaum eine Chance hatten, der Aufmerksamkeit von Räubern zu entgehen, entwickelten sich weißhäutige Varianten.

Studien der Evolutionsbiologin Erica Rosenblum an der Echsenart Holbrookia maculata haben nun ergeben, dass für den Farbverlust hauptsächlich ein einziges Gen verantwortlich zu sein scheint. Dessen Bedeutung wird zurzeit experimentell weiter untersucht.

Außerdem konnte die Forscherin von der University of Idaho in Moscow belegen, dass weiße Männchen bei der Partnerwahl weiße Weibchen bevorzugen: Rosenblum hatte die männlichen Tiere mit blassen Wüstenexemplaren und farbigen aus der Umgebung konfrontiert. "Dieses Verhalten ist äußerst interessant, da sich hier natürliche und sexuelle Selektion gegenseitig zu beeinflussen scheinen". Durch diese Wechselwirkung könne die Artentrennung der weißen von den farbigen Echsen, die zurzeit noch zu derselben Spezies gehören, rapide beschleunigt werden.

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