Biologie: Kamasutra der Bienen

Ein Klettverschluss gibt Holzbienen Halt beim verschlungenen Sex

Der Paarungsflug von Xylocopa flavorufa gleicht einem Rodeoritt in luftiger Höhe.

Um nicht sofort wieder abgeworfen zu werden, hält der Drohn das Weibchen mit seinen Vorderbeinen umklammert und nimmt dessen Hinterbeine mit seinen hinteren Gliedmaßen in die Zange. Anschließend hakt er sich mit den Oberschenkeln seiner Mittelbeine unter die Flügelansätze des Weibchens ein, sodass dieses nicht landen kann, sondern weiterfliegen muss.

Damit nicht genug: Das Schienbein legt der Drohn über den Kopf des Weibchens, verkeilt seinen Fuß mit dem Oberkiefer der Partnerin und bedeckt ihre Augen mit einer Borstenreihe an seinem Fuß.

"Er fliegt, sie gleitet steuerunfähig und mit aufgespannten Flügeln dahin", erläutert Professor Wittmann, Biologe an der Universität Bonn.

Doch obwohl es so aussieht, als sei das Weibchen dem Partner hilflos ausgeliefert, kann es sich dem Männchen noch jederzeit entwinden. Nur wenn der Drohn seine Beine richtig platziert, nicht zittert und gut haftet, willigt die Partnerin in die Begattung ein.

Einen besonders guten Halt gewährleistet ein spezieller Haftmechanismus, den Wittmann gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Anne Muffert untersucht hat.

Denn das Holzbienen-Männchen trägt auf seinen Hinterbeinen ein mit bloßem Auge kaum sichtbares Polster aus verzweigten Härchen. Im Endbereich sind diese nur noch wenige Nanometer dick. Atomare Wechselwirkungen, sogenannte Van-der-Waals-Anziehungskräfte, bewirken hier, dass sich die Härchen umbiegen und zu feinsten Schleifen zusammenlegen. Ein derart winziger Klettverschluss wie bei der Holzbiene ist bisher noch nie entdeckt worden.

Bei der Paarung landet der Drohn so auf dem Weibchen, dass sich die Haarschleifen mit den entsprechenden Borsten auf dessen Rücken verfangen. Einmal eingehakt, bleibt er ohne große Kraftanstrengung am Weibchen haften und kann sich vollständig dem Liebesritt widmen.

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