Biomechanik: Lang- und sparsam

Schildkröten wurden für Energietests aufs Laufband geschickt

Sie sind nicht gerade die schnellsten unter den Landtieren, aber bezogen auf ihr Körpergewicht bewegen sich die gepanzerten Echsen überraschend effizient fort.

Peter Zani und Rodger Kram von der University of Colorado in Boulder haben den Sauerstoffverbrauch von 18 Schmuckdosen-Schildkröten gemessen, während die Tiere sich auf einem Laufband bewegen mussten. Aus diesem Wert errechneten Zani und Kram den Energieeinsatz dieser gut gepanzerten Schildkrötenart und setzten ihn ins Verhältnis zu deren Körpergewicht und Laufgeschwindigkeit.

Überrascht stellten die Wissenschaftler fest, dass die Tiere in insgesamt 141 Versuchsläufen jeweils nur rund die Hälfte der Fortbewegungsenergie benötigt hatten, die etwa ungepanzerte Echsen der gleichen Gewichtsklasse einsetzen.

Erstaunlicherweise ist es ausgerechnet der Panzer, der zur effizienten Fortbewegung beiträgt. Seinetwegen benötigen die Tiere weniger Muskeln, um den Schultergürtel zusammenzuhalten und die inneren Organe zu fixieren. "Weniger Muskelmasse bedeutet weniger Energieverbrauch", so Zani.

Noch wichtiger für den Kräftehaushalt scheint der Aufbau der Muskulatur zu sein. Sie besteht bei den untersuchten Schildkröten überwiegend aus nur langsam kontrahierenden Muskelfasern. Diese lassen zwar keine raschen Bewegungen zu, verbrauchen aber weniger Energie als die "schnelleren" Muskelfasern anderer Reptilien wie etwa der Eidechsen.

Geschwind müssen die Schildkröten auch gar nicht sein, denn bei Gefahr können sie sich in ihren Panzer zurückziehen. Daher können sie sich den sparsamen Antrieb problemlos leisten.

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