Genetik: Der Wolf im Hundspelz

Schwarze Wölfe haben ihr dunkles Fell von Haushunden geerbt

In der Fabel heißt er Isegrim - der Eisenhelm. Doch so grau wie das geschmiedete Metall ist ein Wolf nicht immer. Genauer gesagt, nicht mehr. Eine genetische Mutation aus jüngerer Zeit hat bei Wolfspopulationen der nordamerikanischen Wälder für ein tiefschwarzes Fell gesorgt.

Überraschenderweise aber ist die dunkle Variante nicht durch eine wolfseigene Mutation zustande gekommen. Vielmehr stammt sie von Hunden, die sich dann mit Wölfen gepaart haben. Das hat ein Team um Gregory Barsh von der Universität Stanford herausgefunden, als es das Genom schwarzer Wölfe mit jenem von Haushunden verglich.

Verantwortlich für den Farbwandel ist eine Veränderung des "Beta-Defensin"-Gens. Es enthält die Bauanleitung für ein gleichnamiges Eiweiß, das an den sogenannten Melanokortin-1-Rezeptor andockt und dadurch in den Prozess der Fellfärbung eingreift.

Verbreitet hat sich das neue Merkmal vermutlich, weil die veränderten Wölfe zum Beispiel im Wald durch das schwarze Fell besser getarnt sind; in der offenen Tundra kommt die Variante fast nicht vor. "Es dürfte das erste Mal sein, dass ein Merkmal von domestizierten Tieren auf wild lebende übergesprungen ist und diesen einen biologischen Vorteil bietet", sagt Tovi Anderson, Koautorin der Studie.

Hunde und Wölfe gehören zwar zur selben Art und sind untereinander paarungsfähig. Gemeinsamen Nachwuchs gibt es aber unter den biologisch eng Verwandten nur höchst selten. Dazu haben sich die beiden Tiergruppen in ihrem Verhalten zu unterschiedlich entwickelt, seit die Vorfahren des Haushundes vor 15 000 bis 135 000 Jahren domestiziert worden sind.

Ein weiteres Hemmnis ergibt sich aus den ungleichen Fruchtbarkeitszyklen: Wolfsrüde und Wölfin paaren sich nur einmal jährlich, Haushündinnen werden dagegen zweimal im Jahr läufig.

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