Verhalten: Verstohlene Dohlen

Einige Rabenvögel haben die Fähigkeit, Blicke und Gesten von Menschen zu deuten

Für Krähen und ihre Anverwandten sind Menschen "Nutztiere", deren Verhalten sie genau beobachten und zu ihren Gunsten ausnutzen. Mühelos verstehen Dohlen den Fingerzeig eines Pflegers als Aufforderung, in der angegebenen Richtung nach Futter zu suchen. Nun haben Forscher entdeckt, dass die Vögel einem Menschen diese Botschaft sogar von den Augen ablesen können. Diese Fähigkeit hätten die Rabenvögel selbst Schimpansen voraus, sagt die Biologin Auguste von Bayern.

Zudem hat die Oxforder Forscherin in Versuchen mit zehn handzahmen Dohlen getestet, ob und wie lange die Tiere mit der Nahrungsaufnahme zögerten, wenn sich eine Person in der Nähe der Futterquelle aufhielt und diese dabei ansah. Die Vögel warteten durchschnittlich 4,5 Minuten, wenn in einer solch konfliktträchtigen Situation eine ihnen unbekannte Person direkt auf die Futterschale blickte. Wendete sie den Blick zur Seite oder schloss die Augen, griffen die Vögel weitaus zügiger zu.

Dieses besondere "Augenmerk" stammt womöglich aus einer physischen Ähnlichkeit der Dohlen mit Homo sapiens. Denn im Gegensatz zu anderen Vögeln besitzen sie eine helle Iris, die eine dunkle Pupille umschließt.

In einem neuen Buch ("Rabenschwarze Intelligenz") beschreibt der Vogelforscher Josef Reichholf noch weitere schier unglaubliche Beispiele für die Raffinesse der Rabenvögel. In München etwa lassen Krähen neuerdings Nüsse an Ampelkreuzungen fallen. Bei "Grün" nutzen die Vögel die Autos als Nussknacker, bei "Rot" sammeln sie das Futter auf.

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