Soziologie: Öffentlicher Druck

Schreiende Babys setzen ihren Willen besser durch, wenn Fremde zuschauen. Selbst unter Affen

"Quengelware" heißen die Leckereien, die an der Kasse im Supermarkt angeboten werden. Verkaufsstrategen setzen darauf, dass Eltern im Gedränge ungeduldiger Kunden eher dem Wunsch des bockigen Kindes nachgeben, als standhaft zu bleiben.

Nun konnten Forscher beweisen, dass der Erfolg der Quengelstrategie auf uralten sozialen Verhaltensmustern beruht. Schon unter Rhesusaffen beugt sich die Mutter dem Drängen ihres Sprösslings nach Milch viel rascher, wenn er im Beisein anderer zu schreien beginnt. Ein Team um den britischen Biologen Stuart Semple hat das an über 300 Schreianfällen von Rhesusaffenbabys in Puerto Rico überprüft.

War die Mutter mit ihrem Kind allein, ließ sie sich in nur 39 von 100 Fällen erweichen, im Kreise der engeren Familie bereits in 54. Im Beisein ranghöherer fremder Affen aber stieg die Quote auf 82 Prozent. Diese fühlen sich oft so belästigt, dass sie Mutter und Kind bedrohen oder zu beißen versuchen.

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