Schottland: Rätsel der schrumpfenden Schafe gelöst

Auf einer schottischen Insel werden die Schafe immer kleiner. Schuld daran ist offenbar der Klimawandel

Auf der nur knapp sieben Quadratkilometer großen Insel Hirta, vor der Nordwestküste Schottlands gelegen, werden die Schafe immer kleiner. Innerhalb der vergangenen 24 Jahre sind sie um rund fünf Prozent geschrumpft.

Die sehr ursprünglichen und robusten Soay-Schafe wurden 1932 auf die Insel gebracht und leben dort seither halb wild. Für Forscher sind sie interessant, weil auf dem Eiland keine genetische Vermischung mit anderen Schafpopulationen stattfindet. Veränderungsprozesse lassen sich so wie im Labor beobachten.

Dem Biologen Arpat Ozgul vom Londoner Imperial College war zuerst im Jahr 2007 aufgefallen, dass die Schafe im Schnitt immer kleiner wurden. Die Messdaten aus dem vergangenen Vierteljahrhundert bestätigten seinen Verdacht.

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Die Rasse der Soay-Schafe ist rund 4000 Jahre alt. Benannt wurden sie nach einer schottischen Insel

Wären hier evolutionäre Triebfedern am Werk, hätte eigentlich das Gegenteil der Fall sein müssen. Denn kräftige und große Individuen haben bessere Überlebenschancen und paaren sich häufiger als schwächere. Doch wenn nicht die natürliche Auslese für das Schrumpfen verantwortlich war, was dann? - Offenbar der Klimawandel, schreiben Ozgul und Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science".

In den vergangenen 24 Jahren erlebte Hirta viele ungewöhnlich kurze und milde Winter. So konnten die Gräser in mehr Monaten im Jahr wachsen. Die Schafe mussten sich nun in ihrem ersten Herbst nicht mehr eine Speckschicht anfressen und damit schnell an Größe zulegen, um den typischerweise harten Winter zu überstehen. Hinzu kommt, dass nun auch viele der kleinen Lämmer von jungen Müttern den Winter überstehen. Die werden jedoch auch später nicht so groß wie "normale" Schafe - und senken so die Durchschnittsgröße der ganzen Population.

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