Können Hunde Gedanken lesen?

Eher nicht. Das haben kanadische Forscher mit einem Versuch gezeigt

Hundehalter müssen jetzt sehr stark sein: Die Vierbeiner haben offenbar keine Ahnung, was in Herrchen oder Frauchen vorgeht. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse eines Versuchs hin, die Forscher der Universität von West Ontario (Kanada) jüngst in der Zeitschrift "Bahavioural Processes" veröffentlicht haben.

Um das Talent der Tiere als Gedankenleser zu testen, hatte sich der Kognitionswissenschaftler William Roberts folgende Versuchsanordnung ausgedacht: In einem Park postierte sein Team in einiger Entfernung von den Hunden zwei identisch aussehende Boxen. Beide rochen verführerisch, aber nur eine von ihnen enthielt ein leckeres Fresschen: ein Frankfurter Würstchen.

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Gelegentlich überschätzt Herrchen die Geisteskräfte seines vierbeinigen Gefährten

Bei der Entscheidung für eine Box halfen den 24 Hunden unterschiedliche Personen durch Rufen und Auf-die-Box-Zeigen. Die einen Personen zeigten sich kooperativ, deuteten also immer auf die richtige Box. Andere waren weniger hilfreich. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der Hunde immer auf die leere Box. Und verspeisten dann auch noch scheinbar genüsslich das Würstchen - um dem Hund zu signalisieren: 'Sorry, aber du hast gerade eine richtig leckere Gelegenheit verpasst'.

Wenig überraschend: In 225 Durchgängen trauten die meisten Hunde eher der kooperativen Person über den Weg - bis zu 96 Prozent. Doch das Vertrauen in die "Betrüger" nahm erst gegen Ende der Versuchsreihe ab. Hatten die Hunde - wenn auch spät - gelernt, die betrügerischen Absichten der Menschen zu erraten?

Auch Schachteln sind gute Hinweisgeber

Um das herauszufinden, ersetzten die Forscher die Personen durch eine schwarze, "kooperative" und eine weiße Schachtel (den "Betrüger"). Das Ergebnis war ähnlich wie bei den personenbezogenen Hinweisen. Die nüchterne Schlussfolgerung der Forscher: Die Hunde hatten nicht die Gedanken der Menschen ergründet, sondern gelernt, bestimmte Personen mit "Belohnung" oder dem Ausbleiben von Belohnung in Verbindung zu bringen.

Ob Tiere eine "Theory of Mind" haben, ist in der Wissenschaft umstritten. Damit ist die Fähigkeit gemeint, im anderen Gefühle, Bedürfnisse, Absichten, Erwartungen und Meinungen zu vermuten - also etwa auch betrügerische Absichten. Im Jahr 1978 glaubten amerikanische Forscher, diese Fähigkeit bei Schimpansen nachgewiesen zu haben. Spätere Forschungen kamen allerdings zu weniger eindeutigen Ergebnissen. Von Hunden ist immerhin bekannt, dass sie sich die Aufmerksamkeit anderer Hunde sichern, bevor sie anfangen, mit ihnen zu spielen - ein Hinweis auf eine zumindest rudimentäre Theory of Mind.

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