Klimawandel: Schrumpfende Schafe

Auf einer schottischen Insel nehmen steigende Temperaturen Einfluss auf die Evolution: Die Tiere dort werden kleiner statt - wie bislang - größer

Einst waren die Soay-Schafe auf Hirta ganz gewöhnliche Hausschafe. Doch seit 1930 die letzten Bewohner die Insel verließen, leben die Tiere dort wild und ohne jeden menschlichen Einfluss. Im Sommer fressen sie, was die Wiesen hergeben, um sich für den Winter mit Fett zu versorgen. Denn die größten und stärksten Tiere überstehen die kalten Monate am besten.

Und so wurden die Soay-Schafe auf Hirta von Generation zu Generation immer größer und stärker. Bis vor etwa 20 Jahren. Seither schrumpfen sie wieder, berichten Biologen des Londoner Imperial College.

Teams der renommierten Universität erforschen die autonome Schafskolonie auf der einsamen Atlantikinsel vor den Äußeren Hebriden seit den 1950er Jahren. Einmal jährlich werden die Tiere gewogen und vermessen. Beim Vergleich der Zahlen fiel den Wissenschaftlern jetzt auf, dass die Schafe seit den 1980er Jahren im Schnitt um fünf Prozent kleiner und leichter geworden sind.

Als Ursache für das Minuswachstum haben die Forscher die Klimaerwärmung ausgemacht. "Die Winter auf den Inseln sind nicht mehr so hart wie früher", sagt der Biologe Tim Coulson. Das bedeute, dass auch schwächere und kleinere Tiere überlebten - und ihrerseits dann wiederum kleinere und schwächere Lämmer zur Welt brächten.

Diese wachsen zudem auch langsamer als früher. Vor Jahrzehnten überlebten nur solche Jungtiere den Winter, die sich schnell genug ein Fettpolster angefressen hatten; in den nun milderen, grasreicheren Wintern kommen auch Nachzügler durch.

So ändert der Klimawandel zumindest auf Hirta den Gang der Evolution. Zwar sei es für die Schafe der Insel "noch immer ein Nachteil, klein zu sein", resümiert Coulson, "aber eben kein so bedeutender mehr".

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