Kognition: Das Ferkel bin ja ich

Erkennen sich Schweine im Spiegel?

Es ist ein illustrer Klub von Geschöpfen, die sich selbst mit ihrem Spiegelbild in Verbindung bringen können. Diese Fähigkeit hat man bislang nur bei Primaten, Elefanten, Delfinen, Rabenvögeln und einer Papageienart nachgewiesen. Menschenkinder beherrschen sie ab etwa dem zweiten Lebensjahr, und einer britischen Studie zufolge können auch Borstentiere die Eigenreflexion verstehen.

Die Forscher haben acht Ferkel in einen Pferch gesperrt und dort mit einem Spiegel konfrontiert – fünf Stunden lang. Anfangs grunzten oder stupsten die Tiere ihr Spiegelbild nur an, das sie für einen Artgenossen hielten. Mit der Zeit aber begannen sie ganz offenbar, ihre eigenen Bewegungen mit denen des Spiegelbildes zu vergleichen - bis sie schließlich das Interesse verloren.

Daraufhin wurden die derart "vorgebildeten" Schweine einzeln in ein Gehege mit einem vollen Trog gebracht. Wo er stand, war nur in einem Spiegel zu erkennen: Die Futterquelle war hinter einer Barriere versteckt, ein Ventilator verwirbelte den Geruch des Fressens. Trotzdem erfassten sieben der acht Ferkel die Situation sofort, liefen um die Barriere herum zum gefundenen Fressen. Lediglich ein Schwein suchte hinter dem Spiegel nach der Futterschale.

Mit etwas Vorlauf verstehen Schweine somit das Spiegelprinzip, wenn es um die Wahrnehmung von Räumen geht - was erstaunlich genug ist. Aber wissen sie auch, dass sie sich selbst im Spiegel erblickt haben?

Die Forscher von der Universität Cambridge halten das nach ihrem Experiment zwar für wahrscheinlich. Aber ein Standardtest der Ich-Erkennung verlief bei den Schweinen erfolglos. Während etwa Affen sofort einen Schminkfleck am eigenen Körper entfernten, den sie in ihrem Spiegelbild entdeckt hatten, kümmerten sich die Borstentiere nicht um die Verunreinigung. Etwas Dreck gehört wohl zum Schwein dazu.

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