Biologie: Homophob blau

Grelle Farbe macht Männchen normalerweise attraktiv - bei Balkan-Moorfröschen ist das anders

Im Balzrevier von Rana arvalis wolterstorffi geht es drunter und drüber. Zur Paarungszeit tummeln sich bis zu 20 männliche Moorfrösche auf einem Quadratmeter des Laichgewässers und buhlen um die Gunst eines Weibchens: Mit Gequake und, so die bisherige Meinung, einer unübersehbaren blauen Färbung, die sie nur zur Balzzeit tragen. Für den Rest des Jahres sind die etwa fünf Zentimeter großen Männchen unauffällig braun.

„Der Paarung dient der Farbwechsel zwar tatsächlich – doch soll das Blau nicht etwa die Weibchen anziehen, sondern andere, zudringliche Männchen fernhalten“, sagt Walter Hödl von der Universität Wien. Zusammen mit seinem Kollegen Marc Sztatecsny hat der Biologe festgestellt, dass es bei Balkan-Moorfröschen nur selten zu Fehlpaarungsversuchen kommt, trotz der Enge im Balzareal. Als Grund für diese überraschende Zielgenauigkeit kommt aus Sicht der Forscher nur das Blau infrage, das offenbar vor solch vergeblicher Liebesmühe schützt.

Um die Gelegenheit zur Paarung nicht zu verpassen, stürzen sich die Männchen vieler Froschlurcharten normalerweise nämlich auf fast alles, was etwa die Größe eines Weibchens hat. Bei ihrer Suche umklammern sie andere Männchen und nicht selten sogar Bierdosen oder tote Fische.