Serie: Meister der Sinne Seehund: Feingefühl bis in die Bartspitzen

Seehunde "sehen" ihre Beutefische auch im trüben Wasser noch über weite Distanzen. Verwirbelungen im Wasser verraten sie
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Sensible Jäger: Seehunde erspüren ihre Beute auf eine Distanz von 180 Metern

Obwohl seine Sicht in trüben Gewässern stark eingeschränkt ist, ist der Seehund ein vortrefflicher Orientierungskünstler: Er hat eine genaue Vorstellung davon, in welche Richtung kleine Fische schwimmen - wo also leichte Beute zu machen ist. Denn jeder Meeresbewohner hinterlässt Spuren, wenn er sich durchs Wasser bewegt: charakteristische Verwirbelungen, die sich bisweilen minutenlang halten.

Zwar lassen sich derartige Wasserbewegungen weder mit den Augen noch mit den Ohren erfassen - aber Seehunde verfügen über hochsensible Barthaare, die selbst schwächste Wasserwirbel zu detektieren vermögen.

Jedes dieser Haare mündet in einer Vertiefung, die von bis zu 1600 Nervenfasern durchwoben ist. Trifft eine Turbulenz nun auf eines dieser Haare, registrieren Nervenzellen die Bewegung und senden je nach Art und Stärke des Impulses eine bestimmte Folge elektrischer Signale ans Gehirn. Auf diese Weise können die marinen Säuger vermutlich selbst Wasserwirbel von Fischen erfühlen, die sich bereits mehr als 180 Meter entfernt haben.

Das Sinnessystem der Robbe ist derart raffiniert, dass es sich von den Verwirbelungen, die sie selbst beim Tauchen ständig erzeugt, kaum beeinflussen lässt - die Barthaare haben eine besondere wellige Form, sodass sie auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhig durch das Wasser gleiten. Auf diese Weise gelingt es dem Tier, zielsicher der Spur der Beute zu folgen.

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