Biologie Die perfekten Faulpelze

Orang-Utans sind wahre Sparwunder. Obwohl hoch entwickelt, verbrauchen sie je Kilogramm Körpermasse weniger Energie als die meisten anderen Säugetiere; und weniger als der Mensch

"Orang-Utans könnten sprechen, wenn sie wollten. Sie tun es aber nicht, da sie sonst möglicherweise arbeiten müssten." Diese Lästerei der Indonesier über die haarigen "Waldmenschen" kolportierte Alfred Brehm 1876 in seinem bekannten "Tierleben".

Herman Pontzer, Anthropologe an der Washington University in St. Louis, hat nun gezeigt, dass es die Tiere tatsächlich sehr ruhig angehen lassen. Unsere nahen Verwandten benötigen im Verhältnis zum Körpergewicht weniger Energie als fast alle anderen höheren Säugetiere - sogar weniger als bestimmte Lemuren während ihrer winterschlafähnlichen Hibernation zur Trockenzeit.

Selbst ein Mensch, der vor dem Fernseher sitzt und Chips knabbert, verbraucht relativ gesehen mehr Energie als ein Orang- Utan, auch wenn der sich gerade dazu aufgerafft hat, ein wenig umherzuklettern. Nur das Dreifingerfaultier hat einen noch geringeren relativen Grundumsatz an Energie.

Die Kehrseite des geringen Energieverbrauchs: Orang-Utans wachsen und vermehren sich nur sehr langsam. Ein Nachteil, der offenbar durch die Vorzüge der Sparsamkeit mehr als aufgewogen wird. Die Versorgung mit Futter ist nämlich in den Regenwäldern auf Borneo und Sumatra sehr schwankend. Auf Phasen mit reichlich Früchten und Samen folgen oft Zeiten mit sehr knappem Angebot.

Dann ist es von Vorteil, keinen hohen Stoffumsatz zu haben, um bis zur nächsten Fülleperiode durchzuhalten. Und sich ohne Hektik später wieder zu vermehren.

Die perfekten Faulpelze

Ein Orang-Utan beim Energiesparen

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