Biologie: Sieger im Wettbewerb der Gene

Das ist wirklich überraschend: Ein winziger Wasserfloh besitzt mehr Gene als jedes bisher untersuchte Lebewesen

Ein Mensch verfügt über rund 25 000 verschiedene Gene. Doch verglichen mit dem Genom des Wasserflohs Daphnia pulex ist das wenig: Das durchscheinende Tier, das in Süßwasserseen Nordamerikas, Europas und Australiens heimisch ist, besitzt 31 000 dieser Erbanlagen. Weltrekord! Die erstaunliche Zahl erklärt sich daraus, dass Gene beim Wasserfloh in der Evolution häufiger dupliziert wurden – die Rate liegt um etwa 30 Prozent höher alsbeim Menschen, sagt der Leiter der Studie, John Colbourne von der Indiana University Bloomington. Zudem ist etwa ein Drittel der Wasserfloh- Gene den Wissenschaftlern unbekannt. Daphnia gilt als Wunder der Anpassungsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen. „Diese Lebewesen sind exzellente Wassersensoren, Frühwarnsysteme, ähnlich dem Kanarienvogel, den Bergleute im Stollen dabei hatten, um gefährliches Grubengas aufzuspüren“, sagt der Biologe James Klaunig aus Indianapolis. Die Entzifferung des Wasserfloh-Genoms könnte neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel zwischen Genen und Umweltbedingungen ermöglichen und Daphnia pulex damit zum Modellorganismus eines neuen Wissenschaftsgebietes avancieren.

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