Verhaltensforschung Verhaltensforschung: Bunte Bällchen im Schweineparadies

Die wollen doch bloß wühlen: Spielzeug soll Schweine auf Trab halten

Unfälle mit Verletzungen sind in kargen Schweineställen nicht selten. Denn unter den oft beengten Verhältnissen langweilen sich die Tiere, werden aggressiv und beißen dann ihre Artgenossen. Verletzte Schweine sind aber nicht nur ein Hinweis auf wenig artgerechte Haltung - sie bedeuten auch einen wirtschaftlichen Verlust für den Landwirt.

Agrarwissenschaftler aus Kassel haben deshalb ein Spielzeug entwickelt, das die Tiere im Stall beschäftigen soll. Inspiriert wurden die Forscher vom sogenannten Bällebad in den Kinderhorten einer bekannten Möbelhaus-Kette: "Das brachte uns auf die Idee, für die Schweine gelbe Kugeln aus Plastik zu entwickeln, die an stabilen Federn über den Trögen befestigt sind", erklärt der Verhaltensbiologe Uwe Richter. Wollen die Schweine ans Futter, müssen sie die Kugeln beiseite schieben. Wichtig ist dabei die frei bewegliche Feder, denn "so können die Schweine nicht vorhersehen, wie sich der Ball verhält, wenn sie ihn anstupsen oder ins Maul nehmen", sagt Richter.

Angeregt werden soll dabei allerdings nicht bloß der Spieltrieb. Vielmehr sollen die Schweine auf diese Weise ihre natürliche Wühllust ausleben können. Das ist nämlich in modernen Ställen sonst nicht möglich; Stroh etwa gibt es nicht in großen Zuchtbetrieben, denn es würde die Bodenabflüsse für die Gülle verstopfen. Die "Wühlkegel", wie die Bälle offiziell heißen, sind eine hygienische Alternative.

Noch wird das Schweinespielzeug in einem Versuchsstall getestet. Kommt es bei den Probanden gut an, sollen auch andere Ställe mit dem Bällchentrog möbliert werden.