Menschenaffen Neue Orang-Utan-Art entdeckt

Forscher der Universität Zürich haben eine neue Menschenaffenart, den Tapanuli-Orang-Utan, entdeckt. Nur noch rund 800 Tiere leben in den nördlichen Hochlandwäldern Sumatras

Bisher waren nur zwei indonesische Orang-Utan-Arten, der Pongo abelii auf der Insel Sumatra und der Pongo pygmeaeus auf Borneo, offiziell anerkannt. Doch nun gelang es Anthropologen der Universität Zürich mit einem internationalen Forscherteam, eine dritte Orang-Utan-Art in der Region Batang Toru in Nordsumatra festzustellen: Pongo tapanuliensis.

Schädelform und Zähne sind einzigartig

Erste Hinweise auf eine neue mögliche Orang-Utan-Art lieferte bereits im Jahr 2013 das Skelett eines getöteten Orang-Utan-Männchens. "Wir waren völlig überrascht, dass der Schädel in einigen Merkmalen anders ist, als alles, was wir zuvor gesehen hatten", erklärt Matt Nowak, der die morphologischen Merkmale im Rahmen seiner Dokorarbeit erforscht hat und heute für das Sumatra-Organ-Utan-Schutzprogramm arbeitet.

Im Vergleich mit anderen Schädeln sind gewisse Merkmale der Zähne und des Schädels bei den Orang-Utans der Art Pongo tapanuliensis einzigartig. Frühere Studienergebnisse und die aktuelle Genomsequenzierung von 37 Orang-Utans lieferten ein eindeutiges Ergebnis mit den morphologischen Details: "Wir identifizierten drei sehr alte evolutionäre Abstammungslinien unter allen Orang-Utans, obwohl derzeit nur zwei Arten beschrieben sind", erklärt Maja Mattle-Greminger, frühere Doktorandin der Universität Zürich.

Aufsplittung der drei Orang-Utan-Arten

Grafik: Aufsplittung der drei Orang-Utan-Arten

Neu entdeckte Orang-Utan-Art ist eine Sensation

Nach Berechnungen der Wissenschaftler lebten die nun entdeckten Tapanuli-Orang-Utans für mindestens 10.000 bis 20.000 Jahre völlig isoliert von den anderen Arten und sind daher wahrscheinlich die direkten Nachkommen der allerersten Orang-Utan-Population aus dem Sunda Archipel.

"Die Entdeckung eines neuen Menschenaffen ist eine Sensation und zeigt, dass die Urwälder der Welt noch immer viele Überraschungen parat haben", sagt Susanne Gotthardt, Indonesien-Referentin beim WWF Deutschland.

Die Menschenaffen sind bedroht

Kaum entdeckt ist die neue Orang-Utan-Art jedoch schon wieder akut vom Aussterben bedroht. Regenwaldgebiete werden zugunsten der Landwirtschaft dem Erdboden gleich gemacht oder fallen etwa den Palmölplantagen zum Opfer. Auch das geplante Bauprojekt für den Damm eines Wasserkraftwerks stellt eine große Bedrohung für den Lebensraum der Tapanuli-Orang-Utans dar.

Die nur noch knapp 800 Tapanuli-Orang-Utans zählende Affenpopulation lebt zur Zeit auf einer Fläche von gerade einmal 1.100 Quadratkilometern. Wegen der Bedrohungen gilt der Tapanuli-Orang-Utan somit bereits jetzt als die am meisten bedrohte Menschenaffenart der Welt.