Der Königstiger

Dieser majestätische Koloss gilt als stark gefährdet. Denn seine Geschichte durchzieht ein grausames Bild: Die Knochen eines getöteten Königstigers dienten als Glücksbringer, die Leber sollte Mut steigernd wirken und bis in die frühen 1970er Jahre galt die Tigerjagd in Indien als Freizeitsport. Nach Schätzungen des WWF ließ das die Population von rund 40.000 um 1900 auf das bisherige Tief von 1.800 Tieren in den 1970er Jahren sinken. Wenige Jahre später folgte mit dem „Project Tiger“ ein Jagdverbot und trotz der weiterhin dezimierten Zahl von rund 2.500 Exemplaren, macht der Bengal-Tiger etwa zwei Dritteln der gesamten Tigerpopulation aus. 

Kleiner Soldatenara

Der Kampfgeist steckt diesem farbenfrohen Vogel bereits im Namen: Der Kleine Soldatenara fällt auch heute noch dem Tierhandel zum Opfer. Der gefiederte Soldat steht, wie sein „großer“ Artgenosse, seit 2015 unter dem Schutz des Endangered Species Act der Vereinigten Staaten. Durch das Errichten von Sojaplantagen in der Amazonasregion und die verbeitete Holzgewinnung in Mexiko verliert der Papagei immer mehr Brutplätze. Der World Parrot Trust arbeitet derweil an einem Schutzkorridor aus Wäldern, um das Verbreitungsgebiet zu sichern.

Nördlicher Felspinguin

Die ansteigende Überfischung durch den Menschen bekommt auch der Nördliche Felspinguin zu spüren. Nördlich des Südpolarkreises schrumpft seine Population immer weiter. Es brauchte nur rund drei Generationen und die kleinen Inseln im Atlantik und dem Indischen Ozean beherbergten nur noch rund die Hälfte ihrer ungewöhnlichen Bewohner. Auch Nahrungskonkurrenten, natürliche Feinde und die Ölverschmutzung durch das Unglück der MS Oliva im März 2011 hatten einen großen Einfluss auf die negative Entwicklung.

Glühwürmchen

Im schummrigen Licht tanzen die Käfer durch die Luft. Glühwürmchen schalten ihr Licht dabei durch eine kontrollierte Oxidation des Katalysator-Enzyms Luciferase an und aus. Sie glühen also nicht wirklich, sie leuchten – und das seit Jahrmillionen. Dabei sind sie nicht nur extrem energieeffizient, sie nutzen die chemische Reaktion auch zur Fortpflanzung, zum Fressen und zum Schutz vor Feinden. Ihre Gefährdung ist auf der Roten Liste nicht beurteilt, dennoch sorgt der zunehmende Einsatz von Pestiziden zum Schwinden der Nahrungsmittel der Leuchtkäfer-Larven.

Weißbauchschuppentier

Bei Mama ist es eben am schönsten: An den schuppigen Schwanz der Mutter geklammert, reitet das Jungtier in ein gefährdetes Leben. Denn die Tiere sind eine begehrte Zutat in traditionellen Heilmitteln aus China. Aber auch in Uganda und Vietnam wird das Fleisch gegessen und in den asiatischen Ländern wird die Haut zudem zu Taschen verarbeitet. Die Einzelgänger pflanzen sich nur langsam fort und alle Arten stehen mittlerweile auf der Roten Liste. Seit 2016 ist der internationale Handel mit den Tieren verboten und auch der Welt-Pangolin-Tag am 20. Februar soll zu einer steigenden Aufmerksamkeit für das bedrohte Lebewesen führen.

Nasenaffe

Der sehr menschlich dreinblickende Nasenaffe macht seinem Namen alle Ehre. Auf der südostasiatische Insel Borneo, der Heimat des Affen, bezeichnen die dortigen Bewohner das Tier als „Kera Bellanda“ – Holländeraffen. Der Grund: Ihre roten Nasen ähneln denen der sonnenverbrannten Europäer in Kolonialzeiten. Weil in den letzten 44 Jahren rund ein Drittel der Regenwälder von der Insel verschwanden und Platz für Plantagen machten, leben viele der Tiere mittlerweile an der Küste. Damit steigt die bereits als stark eingestufte Gefährdung der Tiere immer weiter an.

Lemur-Laubfrosch

Diese Amphibien sind nachtaktive Tiere und vom Aussterben bedroht. Die Entwaldung und die Pilzerkrankung Chytridiomykose gelten als Mitverursacher der stark zurückgehenden Zahlen der Lemur-Laubfrösche in den letzten Jahren. Der Pilz befällt dabei die Haut der Frösche, was in vielen Fällen das sichere Ende der Lebewesen bedeutet. Denn die Haut dient bei den Fröschen nicht nur als äußerer Schutz, sondern auch der Atmung. Der Pilz beeinträchtigt somit nicht nur das Immunsystem, sondern greift ebenso das wichtige Keratin an und beeinflusst dadurch auch den Sauerstoffaustausch.

Gangesgavial

Es gibt nur noch wenige Hundert Tiere wie Makara (Foto) auf unserem Planeten. Schuld sind Dämme, Bewässerungsprojekte, die dichter werdende Besiedlung und die einstige Gier nach der Haut, den Eiern und dem Fleisch der vom Aussterben bedrohten Krokodile. Makara gilt als erster Gangesgavial, der in Florida und damit weit entfernt von seinem natürlichen Lebensgebiet, gezüchtet werden konnte.

Schimpanse

Auch der weltweit beliebte Schimpanse könnte bald nur noch ein Tier aus den Geschichtsbüchern sein. Die Menschenaffen sind neben den Bonobos unsere nächsten Verwandten und teilen 98 Prozent unserer Gene. Sie sind sozial und intelligent, trauern, lieben und können Mitgefühl empfinden. Die Weibchen haben einen ähnlichen Zyklus wie Frauen und gebären Einzelkinder oder Zwillinge, die erst als junge Erwachsene ihre Gruppe verlassen, um selbst eine Familie zu gründen (das gilt zumindest für die Weibchen). Und während es vor rund 100 Jahren noch eine Millionen Tiere der vier Unterarten gab, sind heute nur noch rund 300.000 Exemplare in der freien Wildbahn unterwegs. 

Gelbaugenfrosch

Auch der Gelbaugenlaubfrosch gilt als stark gefährdet. Sein Bestand hat sich seit den 1990er Jahren fast halbiert. Auch hier zeigt die Pilzerkrankung Chytridiomykose einen Negativeinfluss auf die Population der Frösche. Hinzukommt die Urbanisierung in seiner Heimat Costa Rica, die den natürlichen Lebensraum der Agalychnis annae gefährdet.

"In Gefahr"

Tim Flachs Bildband regt zum Nachdenken an. Die Porträts sind dabei ebenso atemraubend wie die Gefahren unter denen die bedrohten Tierarten leiden. Die Aufnahmen ziehen den Leser in einen Bann und die informativen Texte des Zoologen Jonathan Baillie und des Schriftstellers Sam Well zeigen nicht nur die negativen Seiten menschlichen Handelns, sondern auch Möglichkeiten zur Veränderung auf.

"In Gefahr - Bedrohte Tiere im Porträt" ist im Knesebeck-Verlag erschienen. Mehr Informationen gibt es auch auf der Seite des Fotografen.