Lautlose Killer Wie Mäh-Roboter zur tödlichen Falle werden

Autonome Rasenmäher surren in immer mehr Gärten vor sich hin. Was viele Gartenbesitzer nicht bedenken: Sie können Igeln und anderen kleinen Tieren zum Verhängnis werden
Rasenmähroboter

Hilfreich, aber gefährlich für Kleintiere: Mähroboter

Sie sind der Sommerhit in jedem automatisierten Garten: Mäh-Roboter sorgen für einen gleichmäßig kurzen Rasen. Eine Arbeit, die analoge Gartenbesitzer jede Woche Stunden kosten kann. Die Automaten mähen nur in einem abgesteckten Bereich, lassen sich auf Mähzeiten programmieren und fahren zum Aufladen selbsttätig zur Ladestation. Aber sind sie auch sicher?

So leise und diskret sie auch sind: In den Gebrauchsanweisungen findet sich regelmäßig der Hinweis, dass Mäh-Roboter nicht unbeaufsichtigt werkeln sollen, wenn Kinder oder Haustiere in der Nähe sind.

Sehr zu Recht. Denn nicht alle Geräte reagieren auf Hindernisse gleich sensibel – und legen den Rückwärtsgang ein. In einem Test zeigte sich, dass manche Modelle des Jahres 2014 auch einen Apfel überrollen. Und schreddern. Oder sogar einen Schuh.

Manche Mäh-Roboter sind gefährlich unsensibel

Das kann kleinen Tieren zum Verhängnis werden, mahnen Umweltschützer. Besonders junge Igel, die sich bei Gefahr nicht das Weite suchen, sondern einfach zusammenrollen, riskieren, bei einer Begegnung mit einem automatischen Rasenmäher verletzt oder getötet zu werden. "Seit drei Jahren bekomme ich ab und zu Anrufe, dass Leute im Garten kleine Häufchen von Igelstacheln finden; dann frage ich zuerst, ob sie einen Rasenroboter haben", sagte die schweizerische Tierschützerin Erika Heller dem Bayerischen Rundfunk.

Verletzter Igel durch Rasenmähroboter

Igel laufen vor Mäh-Robotern nicht weg, sondern rollen sich zusammen. Das wird ihnen zum Verhängnis, wenn der Roboter sie nicht als Hindernis erkennt

Auch andere Tiere wie Blindschleichen, Kröten, Spinnen und Insekten sind in Gefahr. Zumal viele Gartenbesitzer ihre elektronischen Helfer gerne nachts laufen lassen, wenn Kinder und Haustiere in Sicherheit sind. Doppelt ärgerlich findet das der Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Denn Gärten gehören zu den letzten Rückzugsflächen für Igel und andere Wildtiere. Durch den Boom der lautlosen Häcksler werden sie vielerorts auch noch von den verbliebenen Rasenflächen vertrieben.

Hinzu kommt: Das häufige Mähen, oft in chaotischen Bahnen, verhindert auch, dass sich Blüten bilden können - etwa von Klee. Damit entfällt eine wichtige Nektarquelle für Insekten.

In puncto Bequemlichkeit dürfte der Mäh-Roboter für viele Gartenbesitzer eine willkommene Alternative zum Elektro- oder Benzin-Rasenmäher darstellen. Und, ja, er ist leise. Für die Artenvielfalt allerdings ist er der Super-Gau im Garten. "Den meisten Menschen ist gar nicht klar, welchen Bärendienst sie der Natur mit den Mährobotern erweisen", sagt Igel-Schützerin Monika Neumeier von Pro Igel e.V.

Mehr Wildnis wagen!
Naturschutz
Mehr Wildnis wagen!
Ungezähmte Natur in Deutschland: eine Illusion. Noch im Nationalpark wird Management betrieben. Aber einige Ökologen gehen jetzt weiter - und fordern Freiräume ohne jeden Eingriff