Ein Rotfuchs vor der Clifton Suspension Brücke in Bristol, UK

Sam Hobsons Fotografien zeigen die europäische Tierwelt im Licht von Autoscheinwerfern, Leuchtreklamen, Straßenlaternen oder Ampeln. Der britische Fotograf spezialisiert sich auf urbane Wildtierfotografie und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet.

Ein Rotfuchs schleicht durch die Abenddämmerung in Bristol, UK

Füchse zählen zu den liebsten Motiven des Briten. Wie er in einem Interview mit PetaPixel verrät, gesellt sich Hobson bei Dämmerung gerne auch ohne Kamera zu den Wildtieren. Auf diese Weise sollen sich die Füchse an seine Anwesenheit gewöhnen und erkennen, dass von ihm keine Gefahr ausgeht.

Dachs erkundet Gräber in Bristol, UK

Die meisten seiner Bilder macht Hobson in seiner Heimatstadt Bristol. Für ihn sei die heimische Umgebung dabei eine perfekte Voraussetzung die Gewohnheiten und Routinen der Wildtiere besser kennenzulernen, sagt er.

Ein Schwarm von Halsbandsittichen in London, UK

Obwohl Sam Hobson seine Fotos in der Regel sorgfältig vorbereitet und darauf achtet, dass die Wildtiere dabei trotzdem in einer natürlichen Situation abgelichtet werden, gibt es auch unerwartete Glücksgriffe für den Fotografen. Während ein Schwarm Halsbandsittiche über einen Londoner Friedhof flogen, wollte er lediglich ein Testfoto machen. Das Bild gelang ihm so gut, dass es mit dem „GDT European Wildlife Photographer of the Year Award“ ausgezeichnet wurde.

Damhirsch wandert durch Londons Straßen, UK

Sam Hobson konnte sich bereits in seiner Kindheit für das Leben andere Lebewesen begeistert. Obwohl er in einer Stadt aufwuchs, hinderte ihn das nicht daran, seinen heimischen Garten und die Nachbarschaft nach außergewöhnlichen Käfern und Vögeln abzusuchen. „Wenn mich Menschen fragen ‘Wann hast du angefangen dich für Wildtiere zu interessieren?‘ frage ich mich innerlich ‘Wann habt ihr aufgehört euch für Wildtiere zu interessieren?‘“

Rotfuchsfüchsin füttert ihre Jungtiere in einem Vorgarten in Bristol, UK

Um einzigartige Momentaufnahmen festzuhalten, nutzt der Fotograf gerne einen Fernauslöser. Ein Beispiel dafür ist die Aufnahme einer Füchsin, die gerade ihre Jungtiere stillt. Nachdem eine Familie den Briten darüber informiert hatte, dass ein Muttertier regelmäßig ihre Junge in ihrem Vorgarten füttere, entschied sich Hobson die Kamera gegen einen Blumentopf auszuwechseln und fotografierte das Geschehen lieber aus der heimischen Küche. „Die Füchsin schaute sich unentwegt um und lauschte nach Gefahr, da dies eine unglaublich angreifbare Situation ist“, erklärt er. Um das Muttertier nicht zu verschrecken, machte Hobson nur diese eine Aufnahme.

Ein Dammreiher überschaut einen Markplatz in Amsterdam, Holland

Ziel des Briten ist es Menschen und Tiere wieder miteinander zu verbinden. „Mehr Unterstützung für den Umweltschutz zu finden ist schwierig, weil die meisten Menschen kaum noch Natur in ihrem Alltag erleben. Zeig diesen Menschen eine schmelzende Eisscholle oder ein exotisches Tier und sag ihnen, dass es vor dem Aussterben bedroht ist  - Es wird sie nicht interessieren“, prophezeit Hobson. Gleichzeitig hofft er darauf, dass sobald Menschen Tiere an ihren gewohnten Lieblingsorten in der Stadt sehen, mehr Bewusstsein für das Wildleben dieser Lebewesen entwickeln.

Mit diesem Bild gewann Sam Hobson den Wildlife Photographer of the Year Award

Sein bekanntestes Bild zeigt die Nahaufnahme eines Rotfuchses, der gerade über eine Mauer schaut, und wurde mit dem Wildlife Photographer of the Year Award ausgezeichnet. “Ich kriege immer noch SMS oder E-Mails von meinen Freunden mit Bildern, auf denen mein Fuchs auf riesigen Leinwänden auf der ganzen Welt zu sehen ist“, schwärmt der Engländer.

Misteldrosseln haben ihr Nest inmitten einer Ampel in Leeds aufgebaut, UK

Der gelernte Wildtierfotograf kooperiert nebenher als Fotojournalist mit namenhaften Magazinen wie National Geographic, Outdoor Photography und The Royal Photographic Society Journal. Seit über einem Jahr arbeitet Hobson an einer regelmäßigen Fotografie-Kolumne in dem BBC Wildlife Magazine. 

Ein Graureiher auf den Straßen von Amsterdam, Niederlande

Sam Hobson reist gerne preisgünstig in nahegelegene europäische Großstädte, um Wildtiere abzulichten, die sich in Großbritannien nur selten finden lassen. Einige seiner Lieblingsziele sind dabei Berlin oder Amsterdam. „Es scheint mir als werden die Tiere, die man in seiner Gegend üblicherweise antrifft, als selbstverständlich erachtet oder ignoriert. Das sind die Geschichten, nach denen ich suche und dabei muss ich nicht weit reisen, um sie zu finden.“ Besonders Amsterdam ist aufgrund seiner vielen Kanäle und Flüsse ein beliebtes Zuhause für Graureiher.

Ein Ziesel an der Strandpromenade in Fuerteventura, Spanien

Um auch weiter entfernte Städte in Europa zu bereisen, ohne dabei auf den Komfort des eigenen Bettes verzichten zu müssen, baute Hobson seinen Van in ein Wohnmobil um. Gleichzeitig soll ihm das Wohnmobil für Wildtierfotografie Workshops dienen, die er während seiner Europabesuche anbieten möchte.

Damhirsche in einer Londoner Wohngegend, UK

Hobson sucht die meisten seiner Fotomotive erst bei Einbruch der Dämmerung, da Säugetiere besonders in Großstädten erst am Abend aktiv werden. Auf diese Weise vermeiden die Tiere den Trubel und die Menschenmassen. Gleichzeitig bietet sich damit für Hobson eine gute Möglichkeit mit den Lichtverhältnissen von Straßenlaternen oder Ampellichtern zu experimentieren.

Nachts stöbern Igel durch die Vorgärten von Bristols Einwohnern, UK

Hobsons langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Tiere in der Regel nur dann erschrecken, wenn der Blitz hell aufleuchtet und gleichzeitig der Auslöser ein ungewohntes Geräusch macht. Aus diesem Grund arbeitet der Engländer fast immer mit einer Lärmschutzhülle, und nutzt mehrere schwache Blitze, sodass die Tiere nicht geblendet werden. In den besten Fällen muss das Tier nicht einmal blinzeln.   

Ein junger Wanderfalke in Bristol, UK

Wer die natürliche Umgebung von Wildtieren finden möchte, braucht jede Menge Geduld und eine gute Auffassungsgabe erklärt Hobson: „Ich versuche in jedem meiner Bilder den Charakter des Tieres, sein Verhalten, oder seine Beziehung zu seiner Umwelt einzufangen.“

Silbermöwe klaut Essen aus der Hand eines Strandbesuchers in St Ives, UK

Hobson erkannte schnell, dass seine Heimatstadt nur eine begrenzte Auswahl an Wildtieren bietet. Aus diesem Grund entschloss er sich Seevögel als besonderes Motiv zu wählen und bereiste dazu viele der umliegenden britischen Inseln. Mittlerweile wurde der Brite ebenfalls mit dem „Bird Photographer of the Year Award“ ausgezeichnet.

Erdkröte unterwegs auf den Straßen Bristols, UK

Alle weiteren Wildtierfotografien von Sam Hobson sind auf seiner Homepage oder seiner Instagram Seite zu finden.