Tieren ein Gesicht geben Fotografin porträtiert Nutztiere wie Adelige

Die Neuseeländerin Cally Whitham versucht in ihrem ungewöhnlichen Projekt "Epitaph" (Grabinschrift) Schweinen, Schafen und Kühen ihre Würde zurückzugeben. In einer Zeit, in der diese Tiere oft als Produkte betrachtet werden, will sie den Lebewesen ein Gesicht geben
Cally Whitham

Ihre Bilder erinnern stark an Adelsporträts. Die Tiere wirken erhaben. Was beabsichtigen Sie damit?

Cally Whitham​: Über unsere Geschichte hinweg, haben wir Menschen weltweit lebendes Inventar (also Tiere) gehalten, um die Familie zu versorgen, zu Reichtum zu gelangen, Handel zu treiben oder einfach Arbeit zu haben. Für viele waren und sind Zuchttiere ein wichtiger, aber mittlerweile auch vielfach übersehener Teil der Menschheitsgeschichte.

Ich wollte die Nutztiere mit Hilfe der Fotografie in ein anderes Licht rücken: Von der Scheibe Fleisch im Supermarkt zu einem bedeutenden Teil unserer Geschichte, der einen Platz neben unseren Vorfahren an unseren Wänden verdient hätte.

Cally Whitham

Wo haben Sie die Tiere fotografiert? Und wie entstand das Malerische?

Die Tiere wurden alle in ihrer Lebenswelt fotografiert, auf Farmen in Neuseeland Ich habe die Aufnahmen dann nachträglich so bearbeitet, dass sie optisch den Porträts der alten Meister des 14. bis 18. Jahrhunderts ähneln. Das schien mir der dramatischste Weg, um die Tiere auf ein Statuslevel emporzuheben, das ihnen sonst nicht zuteilwird.

Cally Whitham

Hat sich die Tierzucht in Neuseeland spürbar verändert?

Während 1982 noch 22 Schafe pro menschlichen Einwohner in Neuseeland gezählt wurden, liegt diese Zahl heute nur noch bei rund sechs. Die Milchviehhaltung hat hingegen seit 1990 um rund 60 % zugenommen – von 3,39 Millionen auf 6,7 Millionen Kühe. Damit haben sie die Schafe zwar noch nicht eingeholt, aber wenn der Trend so weitergeht, wird bald keiner mehr Neuseeland mit einem Land voller Schafe in Verbindung bringen.

Was gezüchtet wird, hat sich also geändert. Nicht aber, die Art und Weise wie dies getan wird: Schafe und Rinder grasen immer noch das ganze Jahr über draußen auf dem Weideland.

Cally Whitham

Wie kam es überhaupt zu der Idee? Hatten Sie schon immer eine Verbindung zu Tieren?

Als Kind verbrachte ich meine Weihnachtsfeiertage stets auf einer Farm. Aber wir konnten immer nur wenige Tage bleiben und so musste ich das ganze Jahr wieder dem nächsten Besuch entgegenfiebern. Wenn es soweit war, ging ich jeden Morgen zum Kuhstall, um die Bauern dabei zu beobachten, wie sie die Kühe molken. Ich verbrachte ganze Tage damit, auf der Farm umherzuwandern.

Mit 11 Jahren bettelte ich zu Weihnachten um eine Kamera. Meine erste Filmrolle beinhaltete schließlich nur Fotos meiner heißgeliebten Farm - der Bäume, der Landschaft und natürlich der Kühe. Später kaufte ich mir selbst ein Grundstück auf dem Land. Und da bleibe ich auch!

Die Homepage der Fotografin: cally.co.nz

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