Rotkardinal

Hier zeigt sich ein Rotkardinal-Weibchen vor der Linse

Hausgimpel und Goldzeisig

Zwei männliche Hausgimpel an der Futterstation. Nur bei den Männchen sind Oberkopf, Kehle und Vorderbrust intensiv rot gefärbt. Im Vordergrund: ein Goldzeisig

Blauhäher

Der farbenprächtige Blauhäher ist im östlichen Nordamerika weitverbreitet. Unter anderem ist er Maskottchen und Namensgeber des Baseball-Teams Toronto Blue Jays

Goldzeisig und Indianermeise

Ein Futterstreit zwischen Goldzeisig und Indianermeise

Rotkardinal

Der männliche Rotkardinal zählt mit seinem scharlachroten Federkleid zu den auffälligsten Vögeln Nordamerikas

Schwarzkopfmeise

Eine Schwarzkopfmeise im Walnuss-Rausch

Carolinaspecht

Carolinaspechte kommen in Michigan relativ häufig vor. Sie so nah zu beobachten, war für die Fotografin dennoch etwas ganz Besonderes

Purpur-Grackeln

Purpur-Grackeln treten oft in Gruppen auf - so auch an der Futterstation

Hausgimpel und Indianermeise

Mittagsplausch zwischen Hausgimpel und Indianermeise?

Carolinataube

Die Carolinataube ist einer der häufigsten Vögel Nordamerikas. Millionen Tiere werden jährlich geschossen

Wie sind Sie zur Vogel-Fotografie gekommen?

Ich bin vor vier Jahren aus Liebe zu einem Amerikaner in die USA gezogen und irgendwann ist mir aufgefallen, dass es hier etwas andere Vögel gibt, als die Tauben und Spatzen, die ich aus meiner deutschen Heimatstadt kannte. Der allererste, der mir gleich ins Auge stach, war der Kardinal. Dann gelbe Goldfinken, rötliche Hausgimpel und natürlich Blauhäher. Im Frühling und Sommer kommen Rubinkehlkolibris, Rosenbrust-Kernknacker, orange-schwarze Baltimoretrupiale und viele mehr. Bei der großen Vielfalt war ich schnell gefesselt.

Was war der außergewöhnlichste Vogel, der Ihnen bislang vor die Kamera geflogen ist?

Das war wohl das Carolinaspecht-Weibchen. Diese Vögel sind zwar reguläre Gäste an meinen Futterstationen, aber so nah habe ich sie nie zuvor beobachten können. Meine Bildserie umfasst im Moment nur die regulären Winterbesucher. Im Frühling und Sommer wird es wieder etwas aufregender, wenn andere Arten in unsere Gegend kommen.

Haben Sie ein Lieblingsbild?

Das ist schwierig! Ich liebe den Kardinal mit dem runden Seitenprofil. Das Foto erinnert mich irgendwie an die Zeichnungen der alten Naturforscher, in Farbe und Form. Und er sieht so elegant aus. Immer, wenn ich das Foto anschaue, entspanne ich mich. Gleich dicht dahinter sind sein Weibchen mit den herrlichen roten Augenbrauen und die Indianermeise, weil die so niedlich ist. Alle Bilder von der Taube sind Favoriten. Die Dohlengrackel. Der Blauhäher mit dem Bart. Es ist schwer, ein Lieblingsbild zu benennen.

Sie veröffentlichen Ihre Bilder in einen Blog. Interessieren sich viele Menschen für Ihre Vogel-Porträts?

Ich habe den Blog eingerichtet, um den "Verkehr" von meinem Facebook-Profil etwas abzulenken. Ich hatte die Fotos zunächst nur für meine Freunde sichtbar gemacht und in einer Michigan-Vogelbeobachtergruppe geteilt (darin teilen Amateur- und Profi-Fotografen sowie Vogelbeobachter ihre Bilder und tauschen sich aus). Die Reaktionen, besonders in der Vogelgruppe, waren extrem positiv, und man hat mich ermutigt, das Album öffentlich zu machen. Das habe ich dann getan, und es wurde über 40.000 Mal geteilt und kommentiert. Ich würde also sagen, dass sich viele Menschen für die Bilder interessieren. Ich denke, der Zeitpunkt war genau richtig. In Zeiten, in denen viele mit mulmigem Gefühl in die Zukunft blicken, gerade in Amerika, ist das etwas Positives, das nichts mit Politik zu tun hat. Außerdem sind viele mit dem Anblick vieler dieser Vögel vertraut, haben sie aber nie so nah und detailgenau gesehen. Zudem hat die Sache auch einen Bildungs-Nebeneffekt. Es kamen viele Diskussionen zustande, in denen Leute Informationen und Kenntnisse ausgetauscht haben.

Eine Frage zur Technik: Womit nehmen Sie Ihre Bilder auf?

Ich nutze für diese Bilder den Bird Photo Booth 2.0. Es ist eine Kamerakiste mit einer Makrolinse und einer Normallinse, in die man ein Smartphone, eine GoPro-Kamera oder die Kamera, die der Erfinder extra dafür entwickelt hat, stecken kann. Ich bin durch Zufall Anfang 2016 darauf gestoßen und fand die Videos und Bilder faszinierend. Den Großteil des Albums, das viral geworden ist, habe ich innerhalb von zwei, drei Tagen aufgenommen. Es lag Schnee und die Sonne schien und die Vögel waren hungrig und kamen in Scharen. Für diese Fotos stelle ich die Kamera auf Bewegungssensor ein und montiere sie auf einem Stativ. Sie macht 10 Bilder pro Sekunde, sobald sich etwas vor die Linse bewegt. Da entstehen im Laufe eines Tages viele Bilder, die ich dann durchsehe. Ich lösche viele und behalte die, die ich am besten finde. Dann bearbeite ich sie noch etwas in einer Bildbearbeitungssoftware. Das beschränkt sich aber hauptsächlich auf Cropping und Wasserzeichen. Wenn das Licht gut ist, muss man wirklich nicht viel tun, weil die Kamera gute Arbeit leistet. Die Kamera hat auch eine Videofunktion, und sobald das Wetter etwas besser ist, werde ich mehr Experimente damit wagen.

Haben Sie einen Tipp für andere, die Vögel in ihrem Garten fotografieren wollen?

Vögel kommen, wenn drei Dinge vorhanden sind:

a) Gutes Futter. Billigmixe aus dem Baumarkt enthalten oft Füllmaterial, das gerade Singvögel nicht besonders mögen (zumindest die hier in Nordamerika). Ich füttere hauptsächlich ein Mix aus Sonnenblumenkernen und Erdnüssen. Die Futterschüssel an der Kamera ist die Leckerli-Schüssel. Die fülle ich mit einem etwas hochwertigeren Mix mit mehr Nüssen, aber auch Rosinen und einer Mixtur, die ich aus Erdnussbutter und Maismehl mache, manchmal mit gehackten Rosinen. Das sollte die Konsistenz von Streuselteig haben. Die Vögel stehen drauf. Außerdem gibt es viele Pflanzen, die Vögeln zu allen Jahreszeiten Futtermöglichkeiten bieten. Beerensträucher, Wildblumen, Sonnenblumen, Eichen, Kirschbäume etc... Man kann den Garten also vogelfreundlich gestalten. Das Schöne ist, wenn regelmäßig Vögel in den Garten kommen, agieren die auch als Pestkontrolle, da sie viele Insekten fressen, die sich an Pflanzen laben. So sind Pestizide, die man eh vermeiden sollte, gar nicht nötig.

b) Wasser. Vögel müssen trinken. Ich habe im Sommer und im Winter Vogelbäder oder Tränken aufgestellt. Im Winter wird es in Michigan sehr kalt, daher habe ich dafür ein beheiztes Vogelbad. Vögel lieben es, zu baden, und besonders im Sommer ist da immer viel los.

c) Zufluchtsorte / ein sicheres Umfeld. Wenn man viele streunende Katzen im Garten hat, sollte man eher darauf verzichten, Vögel zu füttern. Wer etwas mehr Platz hat, kann Nistkästen aufhängen, aber auch da sollte man darauf achten, für wen man die bereitstellt (die Größe der Box und des Eingangslochs ist artspezifisch) und wie man sie montiert. Wir haben hier unter anderem Waschbären, und so habe ich unter meinem Ostdrossel-Nistkasten eine Art Schutzschild montiert, der verhindert, dass etwas den Pfahl hochklettern und in den Nistkasten greifen kann. Unsere Ostdrosseln haben im letzten Jahr dreimal gebrütet, das hat also gut funktioniert. Da wir auch viele Eichhörnchen haben, musste ich auch all meine Futterstationen eichhörnchensicher machen. Ansonsten fressen die einem die Haare vom Kopf. Andere mögliche Gefahren sind Raubvögel. Ich konnte hier des Öfteren Rundschwanzsperber auf der Jagd beobachten. Das war absolut faszinierend, aber wenn es zu oft vorkommt, sollte man vielleicht überlegen, ob man die Futterstation lieber an einen etwas geschützteren Ort stellt. Ein Baum oder Strauch in drei, vier Metern Entfernung ist perfekt als schneller Fluchtort.

Ein weiterer Punkt, wenn man sich entscheidet, Vögel zu füttern, ist Hygiene. Man sollte alle Futterstationen regelmäßig mit einer Bleichelösung reinigen und darauf achten, dass kein Schimmel am Futter ist. Auch Vögel können krank werden, und wenn die Futterstationen nicht gereinigt werden, übertragen sich solche Sachen schneller. Zudem sollte man, gerade wenn man in einer Gegend lebt, wo es Ratten oder viele Mäuse gibt, regelmäßig die Saathülsen unter den Futterstationen aufharken und beseitigen. Auch wenn es so einfach klingt, Vögel zu füttern, sollte man einige Dinge beachten, um der Natur ihren Lauf zu lassen und Situationen nicht zu "verschlimmbessern". Auch ich lerne immer noch und belese mich ständig.

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