Artenschutz in Indien Warum lebende Tiger mehr wert sind als gewilderte

Ein toter Tiger bringt Wilderern Zehntausende Euro - mit einem lebenden aber lassen sich Millionen verdienen. Das hat die Tigerin Machali bewiesen
Machli

Machali zog über die Jahre Tausende von Touristen an

Die Tigerin Machali war jahrelang die Attraktion des nordindischen Ranthambhore-Nationalparks. Sie war schön, duldete Fahrzeuge in ihrer Nähe und ließ sich relativ leicht beobachten. Außerdem war sie der Star mehrerer TV-Dokumentationen und dürfte wohl der einzige Tiger sein, dem Fans eine eigene Facebook-Seite gewidmet haben. Höchstwahrscheinlich war sie der berühmteste und meistfotografierte wild lebende Tiger der Welt. Im August dieses Jahres ist Machali an Altersschwäche gestorben und wurde feierlich beigesetzt.

Die Naturschutzinitiative Tiger Watch hat kalkuliert, dass die lokale Tourismusbranche im Laufe von Machalis knapp 20-jährigem Leben rund 77 Millionen Euro umgesetzt hat. Mehrere Tausend Arbeitsplätze hängen in der Region vom Tiger-Tourismus ab. Hoteliers, Guides, Fahrer, Gastronomen – sie alle machen ihre Umsätze mit Touristen, die in Ranthambhore Tiger beobachten. Mit einem Teil des erwirtschafteten Geldes wurde zudem die lokale Infrastruktur verbessert, es entstanden Schulen und Hospitäler.

Bei gutem Management können also viele Menschen über Jahre hinweg von einem lebenden Tiger profitieren, während ein gewilderter nur wenigen einen kurzfristigen Gewinn bringt.

Machalis Tod ist für den Tourismus in Ranthambhore ein Verlust. Doch während ihres langen Lebens hat die Tigerin zahlreiche Junge zur Welt gebracht und eine regelrechte Dynastie begründet. Viele Tiger, die heute durch den Nationalpark streifen, sind ihre Nachkommen. Sie haben das Potenzial, ebenfalls Millionen zu generieren – sofern sie nicht der Wilderei zum Opfer fallen.

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