Tigerinnen lassen ihrem Nachwuchs fast alles durchgehen. Beim Streit um den besten Platz an der von ihr erlegten Beute dürfen die kecken Jungen sogar die Mutter anfauchen. Sie knurrt nur kurz eine Antwort und zieht sich zurück, bis die Kinder satt sind

Jeder Tiger ist anders gezeichnet. Die meisten haben breite dunkle Streifen und solche, die an den Enden miteinander verschmelzen. Vermutlich ist das Flammenmuster aus Rosetten entstanden, die im Verlauf der Evolution immer weiter gedehnt worden sind. Das würde die Lücken in der Mitte vieler Streifen erklären

Eben noch haben eine Tigermutter und ihr 17 Monate altes Junges ausgelassen im Wasser herumgetollt. Jetzt streichen die beiden sich um den Bart und schmusen zärtlich

Ein Windstoß bläst dem kleinen Gepard eine Ladung Sand ins Gesicht. Die schwarzen Linien, die vom inneren Augenwinkel bis unters Kinn verlaufen, geben den weichen Katzenköpfen einen strengen, fast drohenden Ausdruck

Selbst bei Wurfgeschwistern ist die Färbung des Fells bei jedem Tier unterschiedlich. Schon früh lernen die Kleinen jede Anhöhe zu nutzen. Von dort schauen sie nach Beute aus oder nach Feinden, um sich rechtzeitig zu verstecken

Die Babymähne junger Geparde löst ihre Kontur auf. In den afrikanischen Grassavannen sind sie gut getarnt vor den scharfen Blicken von Hyänen oder Löwen. Der Flausch beginnt erst zu verschwinden, wenn die Katzen fast erwachsen sind

Frische Bambustriebe gelten bei Berggorillas als Delikatesse. Die Familientrupps machen regelmäßig Ausflüge in die Bambuszone der Virungavulkane und prüfen, ob neue Spitzen aus dem Boden stechen. Manchmal graben sie die saftigen Stängel auch aus

Mitten im Toben wirft sich ein Gorillakind ins üppige Grün und blickt auffordernd zu seinen Genossen. Denen ist sofort klar, was der Kleine sich wünscht: Kraulen, Kitzeln, Kämmen - innigen Körperkontakt mit einem nahen Verwandten aus dem Clan, am liebsten mit der Mutter

Junge Gorillas spielen gern ausgelassen

Dingos sind die einzigen natürlichen Feinde junger Kängurus. Weit tödlicher sind die Menschen. Im Jahr 2006 hat die Regierung 1,6 Millionen Östliche Graue Riesenkängurus zum Abschuss freigegeben

Die Milchbar im Beutel einer Kängurumutter kann weit mehr als den Nahrungscocktail für die verschiedenen Wachstumsstufen eines Babys passend anzumischen. Sie versorgt gewöhnlich zwei Kinder, "Joeys" genannt, gleichzeitig, ihr Neugeborenes und das ältere. Jedes der beiden Kinder erhält eine Spezialmilch. Aus jeder Zitze fließt ein anderer Saft, der in Bezug auf Menge und Mixtur exakt dem entspricht, was der Nachwuchs braucht

Kängurumütter striegeln ihren Kindern fürsorglich das Fell. Dazu benutzen sie die zierlichen fingerartigen Krallen ihrer Vorderpfoten. Und wenn der feine Pelz ihres Kleinen verklebt ist, nehmen sie die kräftige Wiederkäuerzunge zur Hilfe

Pinguinküken sind ständig hungrig. Bei heiterem Wetter stehen die flaumigen Vögel in kleinen Grüppchen herum und halten Ausschau. Sie warten darauf, dass Mutter oder Vater ihnen aus dem Meer einen Magen voll frischer Fische und Krill mitbringt

Wird das antarktische Wetter für Pinguin-Verhältnisse zu warm, werfen die Küken sich aufs Eis und spreizen ihre paddelartigen Flügel ab. Deren Innenseite ist nicht gegen Kälte isoliert. Durch den Kontakt mit dem gefrorenen Meerwasser kühlen sie sich ab

Da sämtliche Kaiserpinguine einer Brutkolonie sich mehr oder weniger gleichzeitig paaren und zur selben Zeit ihr Ei legen, sind die vielen 1000 Küken auch etwa gleich alt. Und: auch gleich übermütig. Flügelzwicken ist eines der Lieblingsspiele der Kleinen

Die Fürsorge für den Nachwuchs ist Frauensache. Etwa im Dezember bringen Bärinnen bis zu drei Junge zur Welt. Die Kleinen wiegen knapp 500 Gramm. Genährt von der fetten Milch, wachsen sie rasch

In Puncto Reinlichkeit nehmen es Eisbären genau. Weil die kleinen Bären die Putzregeln noch nicht beherrschen, werden sie von der Mutter regelmäßig mit der Zunge sauber geleckt. Nach lichtlosen Monaten in der Erdhöhle, wo die Jungen geboren worden sind, ist der Pelz der Mutter etwas gelbstichig geworden

Gehen sie im April mit der Mutter aufs Eis, beträgt ihr Gewicht 10 Kilo. Alles, was sie als arktische Jäger lernen müssen, bringt ihnen die Mutter bei. Junge Bären sind erst nach etwa 30 Monaten selbständig

Kaiserpinguine auf Snow Hill Island, Antarktis. Die Vögel sind furchtlos, neugierig und nach kurzer Zeit so zutraulich, dass es schwierig wird, nicht ständig Nahaufnahmen von Schnäbeln oder Vogelaugen zu machen. Mindestens so verblüffend wie die Pinguine selbst in förmlich wirkendem Schwarz-Weiß ist das Geschrei aus Tausenden von Vogelkehlen

Berggorillas, Parc National des Volcans, Ruanda Ausgangspunkt der Berggorilla-Touren ist Ruhengeri, ein geschäftiger Ort in 1700 Metern Höhe. Er ist von der Hauptstadt Kigali aus in 90 Minuten Fahrzeit zu erreichen. Im Park leben sieben "habituierte" Gorillagruppen. Das heißt: Die Tiere sind an Menschen gewöhnt.

Graue Riesenkängurus, Wilsons Promentory National Park, Murramarang National Park, Kangaroo Island, Australien. In den Nationalparks von Ostaustralien, aber auch in den ariden Regionen des Hinterlands leben Millionen von Grauen Riesenkängurus. Am wenigsten scheu sind sie in den Reservaten, wo sie nicht geschossen werden dürfen

Viele Säugetiereltern treiben großen Aufwand mit ihren Zöglingen. Sie füttern, schützen, wärmen, säubern ihren Nachwuchs, kuscheln mit ihm, kämpfen für ihn. Und oft genug geben sie ihm noch eine erstklassige Ausbildung mit auf den Weg. Manche Tiere betreuen ihre Kleinen wochenlang. Andere opfern Monate und Jahre ihres Lebens. Zwischen solchen Eltern und den Nachkommen wächst eine enge, tiefe Verbindung.

Thorsten Milse (Fotos) und Uta Henschel (Text): "Tierkinder der Wildnis", gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 144 Seiten mit 130 Farbfotos, C. J. Bucher Verlag, München 2007, 29,95 Euro, ISBN 978-3-7658-1635-2

Das Buch "Tierkinder der Wildnis" erscheint am 19. Juli 2007 in deutscher und englischer Sprache. Weitere Informationen unter: www.wildlifephotography.de

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