Frauenquote

In den Bergen Äthiopiens herrscht eine strenge Frauenquote. Die weiblichen Dscheladas entscheiden über alles. So muss sich der männliche Harem-Führer gewaltig anstrengen, eine Weile bleiben zu dürfen

Bedrohte Art

Dscheladas leben ausschließlich im Hochland von Äthiopien und Eritrea, da sie nur hier genügend nahrhafte Wiesen finden. Sie ernähren sich von Knollen, Wurzeln und Gras. Weil aber Kühe und Ziegen zunehmend deren Wiesen einnehmen, gelten die Tiere mit nicht mehr als 200.000 Exemplaren als gefährdet

Tödliche Tradition

Zum Service einer Dschelada-Mutter wie dieser gehört, ihr Junges etwa 18 Monate lang zu säugen. In dieser Zeit ist sie nicht empfangsbereit. Sollte währenddessen der Haremsbesitzer wechseln, hat das fatale Konsequenzen: Um sich schnell fortpflanzen zu können, muss der Neue die Babys töten

Machtkampf

Gangs aufmüpfiger Junggesellen warten bereits abseits auf das Zeichen, dass ein Harem seinen Pascha austauschen will. Dann heißt es: die Chance ergreifen und die Übernahmeschlacht einleiten

Drohgebärde

Muss er die Spitzenposition, den Harem verteidigen und seine Überlegenheit demonstrieren, zeigt er Zähne, die wohl gefährlichste Waffe eines Dschelada-Männchens. Mit dem entblößten Kiefer schlägt er Rivalen in die Flucht und fügt ihnen, falls die Drohgebärde nicht genügen sollte, sogar tödliche Wunden zu

Revierkampf

Auch die Paviandamen sind noch nicht für eine Übernahme bereit: Mit ihrem Blecken weisen sie die männlichen Angreifer in die Schranken

Probekampf

Früh übt sich, was einmal ein Alpha werden will. Oft proben halbstarke Dschelada-Affen spielerisch den Kampf, der später über ihren Rang entscheiden wird

Haremsregeln

Einem Dschelada-Männchen, das es zu etwas gebracht hat, gehören bis zu zwölf Frauen. Doch auch zufriedenstellen muss er diese. Kaum etwas missfällt den Damen mehr als ein Männchen, das ihre Kleinen grundlos anknurrt oder schlägt

Verhaltensregeln

Ein ganzer Mann ist in ihren Augen nämlich nur, wer sich auch aufopferungsvoll und zärtlich um den Nachwuchs kümmert, ihm das Fell krault oder mit ihm spielt

Hochbett

Dscheladas verlassen am Abend ihr Plateau, klettern über die Felskante und schlafen auf schmalen Stegen - über einem 1000 Meter tiefen Abgrund...

Schlaf mit Aussicht

... Dicht aneinander gedrängt und mit den Pranken im Fels verkantet, können sie so weder fallen, noch von Feinden wie Leoparden oder Hyänen erreicht werden

Über 585 Häufchen Kot von Blutbrustpavianen hat der Verhaltensforscher Dr. Noah Snyder-Mackler der University of Pennsylvania im Äthiopischen Hochland gesammelt und untersucht. Sein Ergebnis: Alle Weibchen im Harem der Dscheladas (wie die Pavianart auch genannt wird) sind miteinander verwandt. Tanten, Töchter und Cousinen teilen sich einen Mann. Dieses Alphamännchen hat allerdings nicht zu sagen: Er ist nur für den Schutz der Damen, für die intensive Fellpflege sowie die Fortpflanzung verantwortlich. Hat er nach zwei bis drei Jahren ausgedient, suchen die Frauen einen neuen sogenannten Pascha.

Dass der Alltag in dieser Frauendomäne funktionieren kann, zeigen die Bilder der Fotografen Anup Shah und Fiona Rogers, die Snyder-Mackler bei seiner Arbeit begleiteten.

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