Frühstarter mit Ausdauer

Durch den Dotter, den sie noch im Ei aufgesogen hat, verfügt die frisch geschlüpfte Schildkröte über enorme Kraftreserven. Sie helfen ihr, einen ganzen Tag fast ununterbrochen zu schwimmen

Erhöhte Nestwärme?

Sorgsam werden die Eier untersucht. Und wieder vergraben, zusammen mit einem Messwürfel, der die Temperatur aufzeichnet

Durchbruch

50 bis 70 Tage lang hat der warme Sand das Ei ausgebrütet, bevor sich das Junge aus der Schale kämpft

Handarbeit

Behutsam öffnet Meeresbiologin Sandra Striegel eines der Eier, aus denen kein Tier geschlüpft ist. Sie möchte wissen, wie weit der Embryo entwickelt war

Unterwegs in der Gefahrenzone

In der Luft lauern Vögel, am Strand Krabben. Trotzdem hat es die Grüne Meeresschildkröte zum Spülsaum geschafft. Doch auch im Meer bedrohen Feinde ihr junges Leben - Raubfische von unten und Fregattvögel von oben

Ausflug in die Unterwelt

Forscher haben an einem Riff eine vom Aussterben bedrohte Echte Karettschildkröte entdeckt. Obwohl die Art unter Schutz steht, werden die etwa 90 Zentimeter großen Tiere noch immer gejagt - wegen ihrer kostbaren Panzer

Tierische Erinnerung

Daten von Sendern zeigen, wohin einige der Schildkröten von Bonaire gewandert sind. Nach 20 Jahren werden die Weibchen zielsicher zu dem Strand zurückkehren, an dem sie geschlüpft sind, um ihre Eier abzulegen

Tagsüber klettern hier die Temperaturen im Sommer regelmäßig auf über 30 Grad Celsius, die Sonne sticht. Es ist fast eine Gnade, wenn sie gegen halb sieben Uhr untergeht.

Die relativ kühlen Temperaturen und die Dunkelheit nutzen auch die Meeresschildkröten. Sie kommen zur Eiablage an den zwei Kilometer langen Sandstreifen auf Klein Bonaires Nordostseite. Er ist der wichtigste hiesige Brutstrand. Zwei Drittel der jährlich 70 bis 80 Meeresschildkrötennester an Bonaires Küsten finden sich hier.

Drei Arten brüten auf Bonaire. Echte und Unechte Karettschildkröten sowie die Grüne Meeresschildkröte. Einige der Tiere tragen Satellitensender. Deren Signale erzählen von langen Reisen. Bis zu 3000 Kilometer legen die Weibchen zurück, um sich dann nahe den Küsten Kubas und Jamaikas, in den Gewässern vor Nicaragua oder Mexiko aufzuhalten. Dort liegen ihre Nahrungsgebiete.

Doch wenn es Zeit für die Eiablage ist, tun sie, was Meeresschildkröten seit Millionen von Jahren tun: Sie schwimmen an den Ort ihres Schlüpfens zurück. Zum ersten Mal im Alter von frühestens 20 Jahren - so lange dauert es, bis zum Beispiel die Echte Karettschildkröte geschlechtsreif wird. "Brutortstreue" nennen Biologen dieses Verhalten. Über Ewigkeiten hat es sich offenbar bewährt.

Immer häufiger landen die Weibchen jedoch zwischen Liegen und Sonnengeschirmen eines in der Zwischenzeit errichteten Hotels, neben beleuchteten Promenaden, lärmenden Straßen.

Und noch etwas ändert sich. Die Zahl extrem heißer Tage und Nächte in der Karibik steigt, Forscher werten dies als Zeichen des Klimawandels. Bis zum Ende des Jahrhunderts sollen die Temperaturen in der südlichen Karibik um rund 2,5 Grad Celsius steigen. Gleichzeitig prognostizieren Klimaforscher eine Abnahme der Niederschläge. Regen aber bringt Abkühlung - ein wichtiger Faktor, damit in den Gelegen auch bei durchschnittlich zunehmenden Temperaturen überhaupt noch hin und wieder Männchen heranreifen.

Die Folgen einer veränderten Relation der Geschlechter treten natürlich nicht unmittelbar ein. Erst wenn die Jungen geschlechtsreif sind, also in 25 Jahren, werden Forscher Auswirkungen auf die Population beobachten können.

Lesen Sie die ganze Reportage über die Arbeit der GEO-Stipendiatin Sandra Striegel in GEO Nr. 1/2016.

Mehr zum Thema

GEO-Stipendium: Schweizer Biologin gewinnt GEO-Expeditionspreis
Meeresbiologin gewinnt GEO-Stipendium 2015
Sonnenschutz für Schildkröten?
Die schweizer Biologin Sandra Striegel gewinnt den GEO-Expeditionspreis
Das GEO-Stipendium 2016: 10.000 Euro für deine Forschung
Forschung
Das GEO-Stipendium 2016
Die GEO-Redaktion vergibt auch im Jahr 2016 wieder ein Stipendium für junge Wissenschaftler
Niederlande
Klimadaten im
  • Temperatur:
  • 21.6 °C max/11.7 °C min
  • Niederschlag:
  • 67 mm
  • Regentage:
  • 14
  • Sonne:
  • 41 %
Wetter
Aus der GEO-Reisecommunity
GEO.de Newsletter