Rentiere

Einige Rentiere bleiben cool, wenn Menschen auf sie zukommen, andere suchen schnell das Weite – die Fluchtreaktion von Tieren ist ein wichtiger Indikator der Persönlichkeit. Mutige Charaktere ertragen mehr Nähe, sind mitunter sogar neugierig. Ob ihnen das zum Verhängnis wird, testeten norwegische Forscher auf Spitzbergen: Sie näherten sich Herden im Eisbärenkostüm. Das brachte auch waghalsige Rentiere schnell in Panik. Auffällig scheue Rentiere, bemerkten die Forscher, paaren sich oft nur heimlich – um bloß keinen Ärger mit eifersüchtigen Rüpeln zu riskieren

Kohlmeisen

Ob eine Kohlmeise keck jeden Ast erobert oder angstvoll von ihrem Stammplatz Ausschau hält, hängt von ihrer Persönlichkeit ab. Die entscheidet auch, welches Netzwerk der Vogel aufbaut: Schüchterne Tiere unterhalten nur wenige Kontakte, diese pflegen sie dafür lange und intensiv. Extravertierte Meisen haben überall flüchtige Bekannte (was nützlich sein kann, weil es Informationsvorsprünge bietet) und stürzen sich an Futterplätzen ins wildeste Getümmel

Oktopoden

Achilles, Paul, Octavia: Kraken zählen zu den wenigen Tierarten in Aquarien, denen die Pfleger Namen geben. Denn die Weichtiere zeigen viel Temperament. Da gibt es verspielte Exemplare, die Dosen in der Strömung des Belüfters tanzen lassen, randalierende Einzelgänger, die Steine schmeißen oder Kabel zerbeißen und auch rachsüchtige Diven, die Wärter gezielt mit Wasser bespritzen, wenn sie sich von Taschenlampenlicht gestört fühlen. Bei den Pazifischen Riesenkraken wiesen Biologen erstmals nach, dass auch wirbellose Tiere Persönlichkeitsmuster entwickeln

Elefanten

26 verschiedene Charakterzüge haben Forscher unter Afrikanischen Elefanten ausgemacht und zu vier Persönlichkeitsmustern gruppiert: Verspieltheit, Sanftmut, Konstanz und Führungskraft. Deren Kombination in einer Herde entscheide darüber, ob die Tiere als Gruppe Krisen wie eine Dürre meistern. Die Führungsrolle übernimmt meist die intelligenteste und in der Problembewältigung erfahrenste Elefantenkuh. Starke Charaktere werden von den anderen am ehesten anerkannt

Mandrill

Je farbiger die Gesichtsmarkierungen eines männlichen Mandrills, desto mehr Testosteron pumpt durch seinen Körper. Bei diesen Primaten zeigen Männchen wie Weibchen starke individuelle Unterschiede im Dominanzverhalten. Einige treten extrem unterwürfig auf, andere als rücksichtslose Despoten. Dabei entscheidet nicht immer körperliche Stärke über ihren Status in der Horde: Mitunter übernehmen auch verkrüppelte Männchen die Alpharolle – sie überzeugen dann die anderen mit einem starkem Ego

Stichlinge

Bluff im Teich: Hinter dem imposantesten Auftreten steckt meist der ängstlichste Fisch. Bei den Dreistachligen Stichlingen legen sich vor allem zaghafte Charaktere eine wehrhafte Rüstung zu: längere Stacheln und einen dickeren Brustpanzer. Die Persönlichkeit der Fische wird durch die Umwelt und das Vorbild des alleinerziehenden Vaters geprägt: In einem Gewässer voller Fressfeinde entwickeln sie eher ängstliche Züge und erziehen sogar ihre Nachkommen zur Vorsicht

Einsiedlerkrebse

Droht ein Angriff, ziehen sich Einsiedlerkrebse ins Gehäuse zurück. Wie schnell sie danach ihre Antennen und Beine wieder herausstrecken, ist individuell höchst unterschiedlich. Mutige Krebse lugen rasch wieder hervor und haben so mehr Zeit und bessere Chancen, Nahrung zu finden als zaudernde Artgenossen. Aber die Draufgänger werden auch schneller selbst zur Beute – der Vorteil des Zaghaften. Ein Mix verschiedener Wesenszüge steigert die Überlebenschancen der Population

Kaninchen

Von Geburt an stehen Kaninchen in Konkurrenz mit vielen Geschwistern, das prägt ihr Wesen ein Leben lang. Kräftige Tiere setzen sich bei Rangeleien öfter durch und ergattern die besten Plätze beim Säugen; ihr Selbstbewusstsein wächst. Schmächtige Junge kassieren mehr Tritte und werden eher ängstlich. Auch nachdem sie körperlich aufgeholt haben, fanden Forscher der Universität Bayreuth heraus, bleiben sie wachsam und vermeiden unnötiges Auftrumpfen

Pumas

Kaum ein Mensch bekommt Amerikas größte Raubkatzen zu sehen, denn Pumas sind scheue Einzelgänger. Mitunter entwickeln die Tiere aber soziale Züge: Einzelne Weibchen schließen Freundschaften, ziehen ihre Jungen gemeinsam auf und nutzen dasselbe Revier. Manche Männchen teilen friedlich Beute. Biologen sehen kontaktfreudige Pumas im Vorteil: Gemeinsam erwehren sie sich besser der wachsenden Zahl von Konkurrenten, etwa der Wölfe

Wasserläufer

Sexprotze bringen bei Wasserläufern ihre ganze Gemeinschaft in Aufruhr: Sie fallen über Weibchen her, stören Artgenossen bei der Paarung oder versuchen, andere Männchen zu begatten – woraufhin Weibchen oft in Gruppen mit sanftmütigen Männchen fliehen. Die Störenfriede mindern also für alle Tiere die Chance auf Fortpflanzung, ein Effekt, dessen evolutionärer Sinn noch unklar ist

Hyänen

Verträglichkeit zahlt sich aus: Kooperative Hyänen haben größere Chancen auf Fortpflanzung – das haben Experten des Leibniz- Instituts für Zoo- und Wildtierforschung herausgefunden. Die afrikanischen Raubtiere galten einst als verschlagen, tatsächlich aber gibt es gerade unter den Männchen ausgesprochen höfliche Hyänen. In der Paarungszeit nähern sie sich den Weibchen behutsam, pflegen deren Fell und vertreiben andere, allzu aufdringliche Männchen. Das weiblich geführte Rudel akzeptiert keine Charakterschwächen – und dazu zählen Hyäninnen offenbar auch allzu starke Aggressivität

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