Wale: Massengrab Nordsee

Immer wieder verunglücken Wale vor Deutschlands Nordseeküste. Jetzt strandeten drei Pottwalbullen vor Friedrichskoog. Warum? Geo Explorer berichtet - und zeigt in einer einmaligen Fotoshow, wie Wissenschaftler einen Wal präparieren

Die drei Kadaver wurden rund neun Kilometer südwestlich von Friedrichskoog im Watt der Elbmündung entdeckt. Vermutlich waren die Tier auf dem Weg aus der Arktis zu den Azoren. Dort befindet sich ein Paarungsgebiet.

An der Unglücksstelle ist das Meer selbst bei Flut nur 1,50 Meter tief. Die elf Meter langen Bullen sind gestrandet und am eigenen Körpergewicht erstickt.

Verwesen statt verbrennen

Das Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erwägt die Kadaver der natürlichen Verwesung zu überlassen. In anderen Fällen hatte man tote Wale stets als Sondermüll "entsorgt". Der Grund: Über ihre Nahrung nehmen die Riesensäuger giftige Schwermetalle und Chlorverbindungen aus der Nordsee in ihre Fettschicht auf.

Wie schnell die Verwesung vonstatten geht, ist völlig unklar. Ebenso welche Auswirkungen der Vorgang auf die Wasserqualität hat. Schließlich erwartet Friedrichskoog auch in diesem Sommer Badegäste.

Warum verirren sich Wale?

Warum so viele Wale an den Nordseeküsten stranden, ist ein Rätsel. Den drei Bullen vor Friedrichskoog könnte ihr Echolotsystem zum Verhängnis geworden sein. Es ist auf Meerestiefen von mehreren tausend Metern ausgerichtet. Im flachen Wattenmeer reflektiert der Sandboden die Signale allzu schwach. Ausserdem behindern kreuzende Schiffsgeräusche die "Sicht" der Wale. So kommen die Tiere vom Kurs ab.

Die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" meint, die Zahl der Walstrandungen habe in den letzten Jahren stark zugenommen. Hier weist man darauf hin, dass bei der Erkundung neuer Ölfelder "Airguns" eingesetzt würden, deren Schallwellen das Sonarsystem der Wale störten.

Ein Kompass im Kopf

Für die tödlichen Verirrungen machen andere Biologen Veränderungen im Magnetfeld der Erde verantwortlich: Eisenverbindungen im Gehirn erlaubten den Pottwalen die Orientierung mit Hilfe des Erdmagnetfeldes. Regional würden sich die Magnetfeldlinien manchmal ändern - was die Kompassfunktion im Wal-Hirn zu Fehlinterpretationen veranlasse.

GEO.de Newsletter