Biologie: Coole Kids von heißen Würmern

Eier des in heißen Tiefseequellen lebenden Pompejiwurms erreichen weit entfernte Gebiete, indem sie in einen "Kälteschlaf" verfallen

Vulkanische Schlote und heiße Quellen: Lebensraum für Überlebenskünstler wie den Pompejiwurm (Alvinella pompejana). Das zehn bis 15 Zentimeter lange Tier baut seine weißlich-grauen, papierdünnen Wohnröhren nur Zentimeter entfernt vom Austritt der kochend heißen Giftbrühe aus Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Schwermetallen. Nahe der Schlotwand herrschen in der Wohnröhre Temperaturen von mehr als 80 Grad Celsius. Doch der Wurm weiß sich zu schützen. Seine Rückseite ist mit einem Mantel aus mehr als 30 unterschiedlichen Bakterienarten überzogen. Diese Untermieter stellen ihm vermutlich hitzetolerante Enzyme zur Verfügung und entgiften Sulfide und Schwermetalle.

Lange Zeit rätselten die Forscher, wie dieses Tier andere, oft weit entfernte Lebensräume besiedeln kann – denn ein Schlotgebiet ist meist nur kurze Zeit aktiv. Aufschluss darüber hat nun die französische Meeresbiologin Florence Pradillon von der Université Pierre et Marie Curie in Paris erhalten. Für ihre Untersuchungen war sie mit dem amerikanischen Forschungsschiff ”Atlantis“ in das gut 1000 Kilometer vor der mexikanischen Pazifikküste liegende Zielgebiet gefahren und hatte mit dem Tauchboot ”Alvin“ Alvinella-Eier eingesammelt.

An Bord der ”Atlantis“ setzte sie die Eier in speziellen Hochdruck-Aquarien unterschiedlichen Temperaturen aus – und kam zu einer verblüffenden Erkenntnis: Offenbar stoppen die Eier bei zwei Grad Celsius – der ”normalen“ Wassertemperatur in der Tiefsee – ihre Entwicklung. So können die nur 150 Mikrometer großen Eier im ”Ruhezustand“ über weite Strecken mit der Strömung treiben. Erst wenn sie einen Wärmeimpuls von etwa zehn Grad Celsius erhalten, beginnen sich die Zellen wieder zu teilen. Eine solche Temperatur herrscht am Fuß der hydrothermalen Schlote. Dort – so weiß man bereits – entwickeln sie sich zum fertigen Wurm, der später in die heißeren Bereiche wandert. Eine ähnliche Strategie wird auch für andere Bewohner der Tiefsee-Oasen vermutet.

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