Artenschutz WWF: Tigerbestand steigt erstmals seit 100 Jahren

Gute Nachrichten vom stark bedrohten Tiger: Zum ersten Mal seit hundert Jahren ist die Zahl der wildlebenden Raubkatzen gewachsen. Unklar ist allerdings, ob der Bestand wirklich zugenommen hat – oder ob nur besser gezählt wurde
WWF: Tigerbestand steigt erstmals seit 100 Jahren

Ein Tigerin mit ihrem Jungen

Heute leben etwa 3900 Tiger in der Wildnis, das ist rund ein Viertel mehr als 2010. Dies berichtet der WWF zusammen mit dem Global Tiger Forum auf einem Treffen der 13 „Tigerstaaten“, das heute in Neu-Delhi beginnt.

Tiger-Spitzenreiter ist Indien: Dort sei der Bestand um über 500 Tiere auf 2226 Tiger gewachsen, so der WWF. In Indien leben weltweit die meisten Tiger. Nepal hat zwei Drittel mehr Tiger gezählt als 2009, auch Russland und Bhutan verzeichnen leichte Anstiege. Die Zahlen beruhen auf Daten der Weltnaturschutzunion IUCN, auf nationalen Tigerzählungen und auf Schätzungen. So haben Länder wie China, Malaysia, Thailand oder Indonesien keine systematischen Zählungen vorgelegt, ihre Bestände hat der WWF geschätzt.

Einen drastischen Rückgang verzeichnet Bangladesch, wo die Tiger-Population seit 2010 um drei Viertel auf 106 Tiere gefallen ist. Tatsächlich sei die Tigerpopulation jedoch nicht so stark geschrumpft, vielmehr sei ihre Zahl 2010 zu hoch angesetzt worden. In Kambodscha ist die Art wahrscheinlich ausgestorben. In Vietnam, Laos und China sollen nur noch weniger als zehn Tiger leben.

Tigerzuwachs dank besserer Zählung?

Für die nun veröffentlichte Bestandsaufnahme hat der WWF so gründlich gezählt wie noch nie. Die absolute Zahl mag daher relativ belastbar sein. Umso unsicherer ist dagegen, ob es heute wirklich mehr Tiger gibt als vor fünf Jahren. Möglicherweise ist nur umfassender und mit besseren Techniken gezählt worden. So sind neue Gebiete in die Zählung aufgenommen worden, bessere Techniken haben mehr Tiger in der Wildnis aufgespürt. Der WWF beharrt jedoch darauf, dass der Anstieg auch ein Erfolg der Naturschützer sei: „Wer Tiger schützen will, braucht Ausdauer. Doch nun zahlt sich unser Engagement aus. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steigt die Zahl der wild lebenden Tiger zumindest in einigen Ländern wieder an“, sagt Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland.

Vor rund hundert Jahren lebten noch mehr als 100.000 Tiger in Asien. Aufgrund von Wilderei und der Rodung der Wälder sind sie heute stark vom Aussterben bedroht. Allein seit dem Jahr 2000 hätten Polizei und Behörden 1590 gewilderte Tiger beschlagnahmt, so der WWF. Tatsächlich können sich Tigerbestände erstaunlich gut erholen, sobald sie weniger gejagt werden und genug zu fressen vorhanden ist. Darauf scheint auch der WWF zusammen mit den Tigerstaaten zu setzen: Bis 2022 soll sich die Zahl der wildlebende Tiere auf 6000 verdoppeln.

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