Umwelt: Salzige Kost für Adebar

Auch Tiere passen sich neuen Umweltbedingungen an. Jüngstes Indiz: Störche haben die Nordsee als Nahrungsquelle entdeckt

Was sucht ein Weißstorch im Wattenmeer? Unwillkürlich stellte sich der Biologe Wolfgang Böhme vom Zoologischen Forschungsinstitut Alexander Koenig in Bonn diese Frage, als er im Urlaub eine ungewöhnliche Entdeckung machte: Drei ausgewachsene Störche, die auf der schleswig-holsteinischen Insel Föhr im ufernahen Watt auf Nahrungssuche gingen.

Dasselbe Verhalten konnte der Forscher an mehreren Tagen während seines Föhr-Aufenthalts beobachten. "Nach Reiherart stießen sie immer wieder ins Wasser: vermutlich auf der Jagd nach Strandkrabben, Garnelen sowie Watt- und Seeringelwürmern, die in der Wattzone besonders häufig sind."

Zwar ist schon länger bekannt, dass Störche in der Wahl ihrer Nahrung anpassungsfähig sind: Außer Fröschen am Tümpelrand nachzustellen, lesen sie auch tote Süßwasserfische auf. Doch marine Nahrung? In der Fachliteratur, die Böhme daraufhin konsultierte, war ein solches Fressverhalten bisher nur ein einziges Mal dokumentiert worden – in der Südtürkei.

Möglicherweise treibt der durch Eingriffe des Menschen forcierte Verlust von Feuchtbiotopen an Land die Tiere zu ihrer salzigen "Geschmacksverirrung". Die von Böhme beobachteten "Wattstörche" waren vermutlich sogar vom Festland eingeflogen. Denn bis auf eine Ausnahme siedeln wilde Weißstörche schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf Föhr. Auch Amrum, Sylt und Langeneß sind "storchlos".

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