Paläontologie: Der Saurier mit zwei Gesichtern

Ein Aachener Spezialist rekonstruierte den einzigen Reptilienfund aus dem Erdmittelalter der Eifel - in zwei Varianten

"Es war einer dieser seltenen Glücksfunde", sagt Werner Kraus, Fachpräparator der Geowissenschaften und rekonstruierender Paläontologe an der RWTH Aachen. Denn die Skelettreste, die Arbeiter vor etwa 100 Jahren in einem Steinbruch in der Nähe von Hillesheim in der Eifel entdeckten, sind nicht nur erstaunlich gut erhalten; sie gehörten zu einem Reptil aus der Triaszeit des Erdmittelalters. Dieser Fund ist bis heute einzigartig für jene Region. Nicht etwa, weil es dort wenig Tiere gegeben hätte. Vielmehr sind die Bedingungen zur Versteinerung an Land wesentlich ungünstiger als für Organismen, die im Wasser sterben.

Doch wie genau sah er aus, der Saurier, der vor rund 220 Millionen Jahren in der Eifel umherstreifte? Dies hatten sich Vertreter der Stadt Mayen und des Eifelmuseums auf der Genovevaburg gefragt und schließlich Werner Kraus mit der Rekonstruktion des Tieres beauftragt. Eine Mimoplastik sollte es sein, ein lebensechtes, dreidimensionales Abbild der Urzeitechse.

Schnell war klar: Eifelosaurus triadicus, wie ihn der Bonner Paläontologe Otto Jaeckel 1904 getauft hatte, musste zweimal zum Leben erweckt werden. Zum einen in relativ neutraler Form als "altertümliche Eidechse", wie von Jaeckel beschrieben. Und alternativ mit den typischen Kennzeichen eines Rhynchosauriers - eines in der Trias weit verbreiteten, kleinen bis mittelgroßen Reptils mit papageiähnlichem Schnabel, das sich von Pflanzen ernährte.

Der letzteren Spezies hatte Friedrich von Huene, einer der führenden europäischen Palä- ontologen, 1929 den Fund zugeordnet. Eine aus heutiger Sicht fragliche Entscheidung, wie der Bonner Wirbeltierpaläontologe Martin Sander meint. Für eine genaue Bestimmung fehle im fossilen Skelett leider der Kopf; die Nachpräparation einiger Skelettteile könne al-lerdings weiteren Aufschluss bringen.

Der Streit der Experten verschaffte Kraus doppelte Arbeit. Beide Varianten des Eifelosaurus haben allerdings den für viele Reptilien typischen Spreizgang, und die Vorder- und Hintergliedmaßen enden in einem fünffingrigen beziehungsweise fünfzehigen Hand- und Fußskelett. Außerdem erhielt jedes Sauriermodell eine schuppige Haut, die noch heute für Reptilien typisch ist, die in trockenen Gebieten leben. Denn in der Eifel herrschte damals kein gemäßigtes Klima. "Wir gehen davon aus, dass Eifelosaurus ein Bewohner wüstenähnlicher oder wüstennaher Gebiete war", sagt Kraus.

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GEO Nr. 05/97
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