Biologie: Des Tölpels warme Füße

Die Brutpflege bei Maskentölpeln verlangt viel Wärme - und Zehenspitzengefühl

Um ihr Gelege mit der nötigen Temperatur zu versorgen, nutzen die meisten Vögel zum Brüten eine gut durchblutete federlose Hautpartie am Bauch, den Brutfleck. Maskentölpel (Sula granti) auf den Galápagos-Inseln machen das ganz anders. Die mit bis zu 85 Zentimeter Gesamtlänge und einer Flügelspannweite von 170 Zentimetern größten tropischen Tölpel hocken zwar auch auf ihrem Gelege, und das sieben Wochen lang. Aber zum Ausbrüten verwenden die Vögel statt der wärmenden Bauchhaut ihre außergewöhnlich warmen Füße, mit denen sie ein Ei umschlossen halten.

Miriam Ashley-Ross und ihr Team von der Wake Forest University in North Carolina haben entdeckt, dass sich die Schwimmhäute an den Füßen der Tölpel zeitweise auf 40 Grad Celsius aufheizen. Das liegt daran, dass sich bei brütenden Tieren in dieser Zeit viele zusätzliche Blutgefäße in den Schwimmhäuten bilden.

Die Forscher stibitzten insgesamt 35 Tölpeln das Ei - männlichen wie weiblichen Brütern - und tauschten es gegen wesentlich größere präparierte Albatros-Eier aus, in denen drei Wärmesensoren versteckt waren, zwei seitlich für die Füße und einer oben für den Bauch. Die großen Eier sollten verhindern, dass die Tölpel das Gelege vollständig umschlossen. Sie konnten sich lediglich über das Ei kauern und dieses seitlich mit den Füßen umklammern. So waren die Forscher in der Lage, genau zu bestimmen, wo die Vögel die meiste Wärme produzieren - am Bauch oder an den Füßen.

Die Werte, die von den seitlichen "Fußwärmesensoren" gemessen wurden, überstiegen deutlich die des "Bauchsensors". Bei allen Tests lag die Endtemperatur des bebrüteten Eies (28 Grad Celsius) höher als die Umgebungstemperatur von 26,8 Grad. Damit schieden Luft und Boden als Heizquelle aus.

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