Biologie: Gute "Nase" ersetzt klebriges Netz

Krabbenspinnen spannen keine Fäden. Sie fangen ihre Opfer auf Blüten, deren Duft die Insekten bevorzugen

Sie sehen aus wie Krebse und bauen keine Netze. Dennoch gehören die Thomisidae zu den Spinnen. Sie lauern Insekten auf, töten sie mit Gift und saugen sie aus. Hat die Krabbenspinne mit ihren langen, kräftigen Vorderbeinen eine Biene - ihre Lieblingsnahrung - gepackt, kann sie die Beute durch einen Biss in den "Hals" oder in den Augenbereich töten. Die Biene stirbt erst ein paar Minuten bis zu einer halben Stunde später.

Eine weitere Besonderheit der Krabbenspinnen haben nun Astrid Heiling von der Universität Wien und ihre Kollegen an einer australischen Krabbenspinne entdeckt. Offenbar findet das Tier seine Opfer nicht zufällig. Mit einem Geruchsorgan, das aus Rezeptoren in Einstülpungen seiner "Füße" (Tarsen) besteht, erkennt der Räuber die von Insekten bevorzugten Blüten und lauert dort seiner Beute auf.

Die Forscher ließen in einem Experiment sowohl Krabbenspinnen als auch Honigbienen zwischen jeweils zwei Blüten der Strauchmargerite wählen. Die Räuber setzten sich vorwiegend auf diejenige Blüte, die auch die Honigbienen attraktiver fanden. Waren die Blüten hingegen mit einer Plastikfolie bedeckt, die den Duft abschirmte, aber vollständig durchsichtig war, stimmte die Wahl der Honigbienen und der Spinnen nur noch zufällig überein.

Bereits früher hatte dieselbe Forschergruppe gezeigt, dass von einer Krabbenspinne besetzte Blüten sogar attraktiver für Honigbienen sind als andere. Denn der Räuber kann auf seinem Körper ultraviolette Blütenmale imitieren, die bei den Bienen besonders beliebt sind, während der Rest der Spinne auf Blüten oft kaum zu erkennen ist. Krabbenspinnen setzen sich also nicht nur in diejenigen Blumen, die für Bienen am anziehendsten duften, sondern locken ihre Opfer auch noch ins tödliche Verhängnis, indem sie die "Wegweiser" zum Nektar nachahmen.

Alle GEOSKOPE aus dem Magazin 7/04

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