Verhalten: Eifersüchtige Lurchenfrau

Kehrt ein Waldsalamander-Männchen von einem Seitensprung zurück, wird seine Partnerin zur Furie

Der Duft der Konkurrentin klebt an der Haut des untreuen Lurchs wie verräterischer Lippenstift am Hemdkragen eines Mannes. Wittert das Salamanderweibchen mit seiner feinen Nase den Betrug, kennt es keine Gnade. Das Tier baut sich drohend vor dem Partner auf, schüchtert ihn ein und beißt mitunter kräftig zu. Ein Verhalten, das an eifersüchtige Menschen erinnert, im Tierreich aber bislang unbekannt war.

Entdeckt wurde es durch ein amerikanisches Forscherteam von der University of Louisiana in Lafayette. Die Wissenschaftler hatten Paare und Einzelexemplare der in Nordamerika heimischen Rotrücken-Waldsalamander (Plethodon cinereus) zu Untersuchungszwecken aus dem Wald kurzfristig ins Labor umgesiedelt. Diese lungenlosen Salamander atmen mit der Haut und sind selbst zur Paarungszeit völlig unabhängig von Gewässern. Die Männchen wurden im Laborversuch von ihren Partnerinnen getrennt und einige zum Fremdgehen verleitet, indem man sie zu einem anderen Weibchen in eine benachbarte Box setzte. Andere wurden nach der Trennung allein in einer Box gehalten.

Kehrten die monogamen Männchen nach einigen Tagen in die heimatliche Kiste zurück, waren ihre Weibchen friedfertig wie zuvor. Über diejenigen, die geradewegs vom Seitensprung kamen, entlud sich hingegen der Zorn des Weibchens.

Zur Furie werden die betrogenen Weibchen vermutlich nicht ohne biologischen Grund. Sie leben unter Laub und Steinen und verteidigen feste Territorien gegen Eindringlinge. Die Jungen schlüpfen als fertige Mini-Salamander aus dem Ei. Die Schlupfrate hängt von der Brutpflege des Weibchens ab, dessen Gebiet wesentlich kleiner ist als das des männlichen Salamanders. Geht dieser jedoch fremd und bringt die Nebenbuhlerin auch noch mit ins heimatliche Revier, muss die Partnerin teilen, was an Nahrung sonst für den eigenen Nachwuchs bestimmt ist - oder ihre eigene Fitness wird durch Kämpfe mit der Konkurrentin geschwächt.

Allerdings, so räumen die Forscher ein, könnte es sich bei den tätlichen Angriffen auch um ein Missverständnis handeln: Womöglich hält die Partnerin den nach Weib riechenden Salamander für eine Konkurrentin, die es in die Flucht zu schlagen gilt.

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