Biologie: Heiße Hörnchen

Um Klapperschlangen abzuwehren, erhitzen kalifornische Erdhörnchen ihren Schweif

Feige sind sie nicht. Statt schleunigst zu verschwinden, sobald sie eine Klapperschlange wahrnehmen, gehen kalifornische Erdhörnchen der Art Spermophilus beecheyi vielmehr zum Angriff über: Sie wedeln heftig mit ihrem buschigen Schwanz, schleudern Erde und Steinchen gegen die giftige Otter - und beißen sogar zu. So mancher jungen Schlange wurde dies bereits zum Verhängnis. Auch für ihre schrillen, metallisch-klingenden Schreie, mit denen sie ihre Verwandten vor der Gefahr warnen, sind die kleinen Nager bekannt. Jetzt entdeckte der Verhaltensforscher Aaron Rundus von der University of California in Davis ein erstaunliches Detail in der Abwehr der Erdhörnchen.

Klapperschlangen spüren ihre Beute mit einem speziellen Wärmedetektor auf, dem so genannten Grubenorgan, einem Sensor, der in einer Vertiefung zwischen den Augen und der Nase der Reptilien liegt und es den Tieren ermöglicht, auch im Dunkeln gezielt zuzustoßen. Wie Erdhörnchen mit diesem Organ wahrgenommen werden, untersuchte der Wissenschaftler mit einer Infrarotkamera. Dazu kofrontierte er zwölf erwachsene Erdhörnchen in einem Käfig jeweils zehn Minuten lang mit einer Nordpazifischen Prärieklapperschlange.

Zu seiner Überraschung stellte Rundus fest, dass sich die Hörnchen die besondere Wärmesuchfunktion der Schlangen offenbar gezielt zunutze machen - zur Abschreckung. Denn während sie ihren Schweif hin- und herschwenkten, heizte sich dieser rasch um zwei Grad auf durchschnittlich 26 Grad Celsius auf - was für die Schlange geradezu Signalwirkung hat. Der Effekt werde wohl dadurch verstärkt, so Rundus, dass sich die Haare des Felles aufstellen, sodass der Schwanz mehr Wärme abgebe. Zudem erweiterten sich vermutlich die Blutgefäße.

Warum erwachsene Erdhörnchen derart auf sich aufmerksam machen, ist damit allerdings noch nicht geklärt. Zumal sie den Schlangen nicht schutzlos ausgeliefert sind: Deren Gift können sie über spezielle Proteine neutralisieren. Außerdem sind sie im Zweifel schneller als ihre Angreifer. Beißt die Otter trotzdem zu, könnte ein Hörnchen aber mindestens schwere Verletzungen davontragen. Ein Nager tut daher gut daran, der Klapperschlange früh zu zeigen, dass sie keine leichte Beute vor sich hat. Der heiße Schwanz könne solch ein Signal sein, sagt der Forscher.

Vorstellbar auch, dass die erwachsenen Erdhörnchen damit von ihren Jungen ablenken wollen, die dem Gift der Schlangen noch nicht genügend neutralisierende Proteine entgegensetzen können. Interessant sei zudem, dass die Signalfunktion zwar gegenüber Klapperschlangen, nicht jedoch bei Begegnungen mit Schlangen ohne Wärmesensor auftrete. "Die Tiere können ihre Feinde genau unterscheiden und adäquat reagieren", so der Wissenschaftler.

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