B-Day auf vietnamesisch

Der 7. internationale Tag der Artenvielfalt in Vietnam stand ganz im Zeichen des Klimawandels

Der globale Klimawandel schreitet schneller voran als bisher angenommen. Faktisch keine Region der Erde bleibt vom Wandel des Klimas und den negativen Folgen verschont - auch nicht die Länder Südostasiens. Mit seinen 3000 Kilometern Küstenlinie, Korallenriffen, Mangrovenwäldern, Hunderten von Fischerdörfern und tief liegenden Flussdeltas scheint Vietnam besonders verwundbar. Die sich verändernden Umweltbedingungen gefährden die Lebensgrundlage von rund einem Drittel der gesamten Bevölkerung. Und bedrohen die Artenvielfalt in allen Ökosystemen des Landes. Mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten Vietnams könnten innerhalb der kommenden Jahre aussterben.

Viele von ihnen leben im 350 km2 großen Tam-Dao-Nationalpark mit seinen insgesamt 2000 Tier- und Pflanzenarten. Der Park, rund 80 Kilometer nordwestlich von Hanoi gelegen, war auch der Schauplatz des 7. Biodiversitäts-Aktionstages am 19. Mai. Mit den Aktionen vor Ort und dem anschließenden, zweitägigen Symposium in der Hauptstadt wollten die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Deutsche Entwicklungsdienst in Zusammenarbeit mit dem vietnamesischen Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt (MoNRE), das Sekretariat der Vereinten Nationen zur Biodiversitäts-Konvention (CBD) und die World Conservation Union (IUCN) das Bewusstsein der Bevölkerung und der verantwortlichen Politiker für den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Klimawandel wecken.

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Der seltene Tam-Dao-Salamander kommt nur im gleichnamigen Nationalpark vor

Reiches Veranstaltungsprogramm

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Sportlicher Auftakt: Viele der Teilnehmer legten die 80 Kilometer von Hanoi zum Nationalpark mit dem Rad zurück

Das Leitmotiv des Aktionstages, an dem insgesamt 700 Menschen teilnahmen, war die persönliche Erfahrung von Natur und "Wildnis". Das 24-Stunden-Programm für die Besucher fand an sechs verschiedenen "Biodiversitäts-Stationen" rund um den Nationalpark statt. In der Begleitung von Wissenschaftlern und ortskundigen Führern entdecken die Besucher die natürliche Vielfalt des Gebietes und teilten die Entdeckungen und Erfahrungen der Experten.

Begonnen hatte der Aktionstag morgens um 7 Uhr mit einer Radtour von Hanoi aus zur Hauptverwaltung des Nationalparks - unter dem Motto "Zero Emission". Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung wurden rund um den Nationalpark die ersten 300 von insgesamt 10.000 Bäumen gepflanzt.

Ergänzt wurde das Tagesprogramm durch eine Reihe kultureller und künstlerischer Veranstaltungen.

Weitere Punkte des Veranstaltungsprogramms waren die Besichtigung der Waldschule des Nationalparks, ein Workshop von und für Studenten zum Thema "Arbeiten als Umweltschützer", eine Einführung in die Artenvielfalt Vietnams und das Leben der Primaten, eine Bärenausstellung und zahlreiche bodenkundliche, biologische Exkursionen. Unterdessen konnten sich die Kleinsten unter den Besuchern im Bauen eines Baumhauses üben oder gemeinsam mit einem Künstler eine "Biodiversitäts-Box" bemalen.

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Mehr als 700 interessierte Laien, Politiker und Wissenschaftler nahmen am Aktionstag teil

Diskussion auf hohem wissenschaftlichen Niveau

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Auf geführten Touren mit Experten konnten Teilnehmer Flora und Fauna entdecken

Das anschließende Symposium zur Biodiversität und Klimawandel thematisierte die negativen Folgen des Klimawandels und der Abnahme der Artenvielfalt für die Länder Südostasiens. So ging es auch um die Frage, wie sich die Erhaltung der Biodiversität auf die Linderung der lokalen Armut positiv auswirken kann.

In weiteren Themenblöcken wurden die Folgen des Klimawandels und der abnehmenden Artenvielfalt auf den wirtschaftlichen Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Küstenmanagement, Handel und Tourismus, Armut und Gesundheit) im Besonderen erörtert. In zwei parallelen Veranstaltungsreihen wurden anschließend lokale und regionale Versuche zur Erhaltung der Artenvielfalt und zum Ausgleich des Klimawandels vorgestellt, wie beispielsweise das Modell eines Öko-Dorfes in mäßig trockenen Gebieten und ein spezielles Informationsprogramm für einheimische Bauern.

Am zweiten Veranstaltungstag wurden internationale Forschungsergebnissen zum Klimawandel und der Artenvielfalt vorgestellt, wurden nationale und regionale Szenarien zum Umgang mit dem Klimawandel diskutiert und Beispiele und Lösungen aus Vietnam und Südostasien vorgestellt.

Die Veranstalter zeigten sich mit dem Verlauf der Aktionen zufrieden. "Der internationale Tag der Artenvielfalt fand wohl noch nie in einem Land statt, das eine so große Artenvielfalt aufweist und zugleich so stark vom Klimawandel betroffen ist", sagte Manfred Niekisch von der World Conservation Union.

Mehr Infos über den Tag der Artenvielfalt in Vietnam
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