GEO-Tag der Artenvielfalt Große Naturinventur

Der 16. GEO-Tag der Artenvielfalt bilanziert rund 1500 Tier- und Pflanzenarten auf dem nur knapp drei Quadratkilometer großen ehemaligen Truppenübungsplatz im fränkischen Ebern
Große Naturinventur

Theo Blick, Experte für Spinnentiere, begutachtet den Fang aus dem Kescher

Rund 80 Experten für Flora und Fauna erforschten am vergangenen Wochenende Tiere und Pflanzen auf dem 2002 stillgelegten Truppenübungsplatz. Sie dokumentierten dabei eine unglaubliche Naturvielfalt - rund 1.500 verschiedene Arten sammelten und bestimmten die Forscher. Und das binnen genau 24 Stunden in einem Untersuchungsgebiet von nicht einmal drei Quadratkilometern. Jens Schröder, stellvertretender Chefredakteur von GEO: "Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass solche ehemaligen Bundeswehrgelände unbedingt schutzwürdig sind. Unsere Ergebnisse beweisen, dass sie als Rückzugsflächen für andernorts stark bedrohte oder gar ausgestorbene Lebewesen dienen können."

Wanz große Entdeckungen

Ein ganz besonderer Coup gelang in diesem Jahr dem Wanzenforscher Markus Bräu aus München: Mit seinem Fund eines Exemplars der Silberperlen-Wanze (Jalla dumosa) ist ihm auf dem Truppenübungsplatz der Nachweis eines Tieres gelungen, das in Bayern seit Jahrzehnten als verschwunden galt. Auch Bräus Kollege Ringo Dietze aus Sachsen kam mit guten Nachrichten aus dem Gelände zurück. Die kürzlich hier nachgewiesene Essigrosen-Dickfühlerweichwanze, die in ganz Deutschland kein anderes bekanntes Habitat hat, konnte er nicht nur bestätigen - er konnte durch etliche Funde sogar belegen, dass das äußerst rare Tier in Ebern eine sehr gesunde Population aufgebaut hat.

Auch die früh morgens ausgezogenen Vogelkundler fanden in der reich strukturierten Landschaft des alten Übungsplatzes weit mehr als nur "die üblichen Verdächtigen": Markus Brunnhöfer vom Landesbund für Vogelschutz konnte wieder Heidelerchen und etliche Brutpaare des Pirols nachweisen. Das Gebiet ist außerdem bekannt dafür, dass Wiedehopfe es neuerdings als Durchzugsquartier nutzen - es ist somit ein "Trittstein" für die Rückkehr des charismatischen Vogels in diese Region.

Erfolgreich waren auch die Käferexperten - die mit rund 150 gefundenen Arten ein weiteres Zeichen für die Qualität des Untersuchungsgebiets setzten. Und um so erfreulicher, dass auch hier Exemplare von stark gefährdeten Spezies dabei waren. Der Traurige Sammetläufer etwa, ein Laufkäfer, der eine Luftblase um seinen Körper aufbauen kann, um darin vom Land ins Wasser zu laufen, wurde seit 35 Jahren in Bayern nicht mehr gefunden - bis Michael Fritze ihn jetzt auf dem Truppenübungsplatz in Ebern wieder entdeckte ist. Ein weiterer Käferfund bewegte die angereisten Experten ebenso: Der Kirschbaum-Prachtkäfer, eine stark gefährdete Art mit Eintrag auf der Roten Liste, ist offenbar in Ebern zu Hause.

Aufbauend auf den Erkenntnissen dieses Aktionstages werden sich nun die GEO-Reporter weitergehenden Fragen widmen: "Wie kommen Wissenschaftler der Bedeutung von Vielfalt auf die Spur? Welchen Unterschied macht es genau, wenn ein Ökosystem mehr oder weniger Diversität enthält? Und durch welche Maßnahmen lässt sich der Rückgang der Vielfalt bremsen, und die Diversität in einzelnen Gebieten sogar wieder erhöhen? Die Ergebnisse dieser großen Recherche, zu der viele Wissenschaftler ihre Ergebnisse beitragen, werden in der September-Ausgabe von GEO zu lesen sein.

Der GEO-Tag der Artenvielfalt wird seit 2014 von der KfW Stiftung gefördert.

Pressebilder vom GEO-Tag der Artenvielfalt im FFH-Gebiet "ehemaliger Standortübungsplatz Ebern" finden Sie zum Download unter www.biodiv-ebern.de.

Ausführlicher Bericht vom 16. GEO-Tag der Artenvielfalt

16. GEO-Tag in Ebern
GEO-Tag der Artenvielfalt
16. GEO-Tag in Ebern
An einem einzigen Tag an einem einzigen Ort die Anzahl der Tier- und Pflanzenspezies zu ermitteln: Das war nun schon zum 16. Mal das Ziel des GEO-Tags der Artenvielfalt
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