GEO schützt den Regenwald e.V.

7. September 2006

Der letzte Tag im Dschungel wird für Torsten Lubenow noch einmal zum feuchten Abenteuer

Der letzte Tag im Dschungel. Wir müssen mit unserem gesamten Gepäck quer durch den Wald, um auf der anderen Seite den Río Bueno zu erreichen. Von dort soll es mit dem Kanu flussabwärts gehen. Da der Fluss auch die Grenze des Gebietes darstellt, will ich auf der Fahrt GPS-Punkte nehmen. Am Río Bueno erwartet uns jedoch niemand. Etwas verdutzt frage ich, wie wir denn den Fluss ohne Boot befahren wollen. Meine Guides winken seelenruhig ab und meinen, ich solle abwarten. Ich warte also, dieses Mal in Begleitung von Jeff, der mich ebenfalls fragend anschaut. Unsere Guides strömen in alle Himmelsrichtungen aus und fangen an, mit der Machete Bäume zu fällen. Wenig später liegen einige sauber entrindete Balsaholzbaumstämme im Fluss und werden mit Hilfe von härteren Kaffeeästen zusammengezimmert.

7. September 2006

Ein Floß wird

aus Balsaholzbaumstämmen gebaut

Flöße mit Lianen verknotet

7. September 2006

Unser Steuermann auf dem Río Bueno

Zusätzlich mit Lianen verknotet entstehen ohne weiteres Werkzeug zwei stabile Flöße. Die Fahrt beginnt. Die Flöße werden vorne und hinten von jeweils zwei Leuten gesteuert. Auf diese Weise können wir geruhsam die gesamte Nordgrenze vom "Bloque dos" entlangfahren. Nie zuvor habe ich meine Arbeit hier in Ecuador so genossen.

Doch schon bald kommen wir in Turbulenzen und werden gehörig durchgeschaukelt. Und da passiert es: Ein Felsen blockierte unseren Weg und wir krachen mit lauten Knirschen dagegen. Ein Baumstamm löst sich und der stabile Kaffeeholzdübel kommt auf mein Bein zugerast. Er bleibt nur wenige Zentimeter davor stehen. Unsere Steuermänner landen im hohem Bogen im Wasser. Doch glücklicherweise wird niemand ernsthaft verletzt.

Gerodete Flächen sorgen für Unmut

In ruhigerem Wasser reparieren wir das Floß wieder notdürftig und unsere Fahrt geht weiter. Bald erreichen wir das Ende von "Bloque dos", wobei wir auf unserem Weg einige gerodete und landwirtschaftlich genutzte Flächen passieren, was für Unmut sorgt. Hieran kann man erkennen, dass Regenwaldschutz extrem schwierig ist. Wenn die Eigentümer eines Gebietes es selbst nicht ausbeuten, tun es andere - mit oder ohne Genehmigung.

Unser Tagesziel ist die Comunidad Runallacta, wobei aber niemand genau weiß, wie lange die Fahrt dorthin dauert. Es wird wieder dunkel. Dieses Mal haben wir aber alle Lampen dabei. Das Licht ist bei der ein oder anderen Stromschnelle auch bitter nötig. Nach etwa fünf Stunden, durchgehend durchnässt - von dem glücklicherweise warmen Wasser -, erreichen wir die andere Seite des Gebietes von Runallacta, dass wir nur noch durchqueren müssen. Hier gibt es im Gegensatz zum "Bloque dos" gut erkennbare Trampelpfade, so dass wir sehr bald unser Ziel erreichen.

Natürlich wird unsere Ankunft von der gesamten Verwandtschaft in Runallacta kräftig gefeiert, und es fließt "veinticinco" in Strömen. Einige meiner Begleiter hören bis zum nächsten Tag nicht auf zu trinken, so dass Jeff und ich nur noch von völlig besoffenen Männern umgeben sind. Die Rückfahrt auf dem Dach einer "Ranchera" wird dann noch einmal spannend, denn der ein oder andere Besoffene hat erhebliche Probleme sich festzuhalten, so dass es fast zu einigen Abstürzen kommt. Ich bin heilfroh, als wir endlich wieder Loreto erreichen und in den Bus nach Tena einsteigen können.

7. September 2006

Ein Urwaldriese, der noch nicht gerodet ist

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